HANNOVER. Der Verband Niedersächsischer Lehrkräfte – VNL/VDR fordert das Kultusministerium auf, zeitnah eine repräsentative Erfassung der Arbeitszeit der Lehrkräfte an Förder-, Haupt-, Real-, Ober- und Berufsbildenden Schulen durchzuführen, um verlässliche Daten zur Bemessung der Arbeitszeit und zur Ermittlung des Entlastungsvolumens auch an diesen Schulformen zu erhalten. Das zwölfköpfige Expertengremium Arbeitszeitanalyse hat heute an Niedersachses Kultusminister Grant Hendrik Tonne seinen Abschlussbericht übergeben.  Das Gremium ist 2016 gebildet worden, um dem Urteil des Oberverwaltungsgerichts Lüneburg vom 09.06.2015 Rechnung zu tragen. Auftrag des Gremiums war u.a. die Entwicklung von Vorschlägen zu Kriterien, Instrumenten und Verfahren für eine rechtssichere Bemessung und Bewertung der Arbeitszeit von Lehrkräften, Schulleiterinnen und Schulleitern. Dazu sollten die arbeitszeitrelevanten Tätigkeiten und Belastungen ermittelt und nach objektiven Kriterien bewertet werden.

Das Gremium habe konkreten Handlungsbedarf festgestellt, der auch vom Kultusminister nicht in Frage gestellt worden sei, so der VNL/VDR. „Die Studie hat das gezeigt, was wir als Lehrervertreter schon immer angeprangert haben:  Alle Lehrkräfte, auch für die keine repräsentativen Ergebnisse vorliegen, sind enorm belastet – und das seit langer Zeit. Nunmehr kann sich das Ministerium nicht mehr herausreden und muss endlich tätig werden, um die Lehrkräfte spürbar zu entlasten“, so Torsten Neumann, VNL/VDR-Landesvorsitzender, in einer ersten Stellungnahme.

Das Expertengremium habe sehr konkret aufgelistet, wo und in welchem Umfang Lehrkräfte besonders belastet sind. Auch wenn für die nichtgymnasialen Schulen im Sekundar-I-Bereich und Berufsschulen zurzeit keine repräsentativen empirischen Ergebnisse zur Arbeitszeit und zum Belastungserleben vorlägen, habe das Gremium deutliche Hinweise auf Lehrkräfte mit hohen Mehrarbeitsanteilen und auf einen Entlastungsbedarf für diese Schulformen erkannt. „Die Expertenempfehlung, Mehrarbeit abzubauen, Streuung und Zeitdruck in den Kerntätigkeiten zu reduzieren, deckt sich mit unseren Forderungen“, so Neumann weiter.

Der VNL/VDR begrüßt Tonnes Ankündigung, einen Runden Tisch einzurichten, um mit Gewerkschaften und Verbänden einen gemeinsamen „Pakt zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen von Lehrkräften und Schulleitungen sowie zur Stabilisierung der Unterrichtsversorgung“ auszuarbeiten. „Wir werden unseren Kultusminister beim Wort nehmen. Die Zeit des Abwartens und Ankündigens ist endgültig vorbei, es müssen jetzt Nägel mit Köpfen gemacht werden. Gute Bildung braucht hochmotivierte Lehrkräfte, also beste Arbeitsbedingungen und vor allem auch Wertschätzung ihrer Arbeit“, so Neumann abschließend.

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