Verband Niedersächsischer Lehrkräfte zur Bertelsmann-Studie: "Auch an Ober-, Real- und Hauptschulen fehlen Lehrkräfte"

Gesellschaft Von Redaktion | am Mo., 09.09.2019 - 19:12

HANNOVER. Nicht nur an Grundschulen, sondern auch an Ober-, Real- und Hauptschulen fehlen Lehrkräfte – bereits heute und auch in Zukunft. Darauf weist der Verband Niedersächsischer Lehrkräfte anlässlich der heute veröffentlichten Studie der Bertelsmann Stiftung, in der der Lehrermangel an Grundschulen im Fokus steht, hin.

„Nicht nur an den Grundschulen, sondern auch an den nicht-gymnasialen Schulen wie Ober-, Real- und Hauptschulen werden Lehrkräfte fehlen. Das trifft insbesondere auf Niedersachsen nicht erst 2025 sondern schon heute zu“, so Torsten Neumann, Landesvorsitzender des Verbandes Niedersächsischer Lehrkräfte - VNL/VDR in einer ersten Reaktion auf die heute bekannt gewordene Bertelsmann-Studie. Diese besagt, dass im Grundschulbereich bis 2025 mehr Lehrkräfte fehlen werden als von der Kultusministerkonferenz prognostiziert worden ist.

Es sei für den VNL/VDR nur schwer erkennbar, wie Niedersachsen das bereits schwelende Problem lösen wolle. Solange der Arbeitsplatz Schule für junge Menschen unattraktiv bleibe, werde sich die Lage nicht entscheidend bessern können. Neben einer attraktiveren Bezahlung der Lehrkräfte an den nicht-gymnasialen Schulen bedürfe es einer spürbaren Entlastung der Lehrkräfte. „Hier ist Kultusminister Grant Hendrik Tonne viel zu zaghaft, die Entlastung ist in den Schulen noch immer nicht spürbar“, sorgt sich Neumann.

Der VNL/VDR erwartet vom Kultusminister eine verlässliche regelmäßige Planung des Lehrkräftebedarfs. Eine jährliche Erhebung über den zukünftigen Lehrkräftedarf sei unabdingbar. "Die in 2025 zu erwartenden Schülerinnen und Schüler sind bereits geboren und die Anzahl der 2025 ausscheidenden Lehrkräfte ist ebenfalls berechenbar", so Neumann.

Quereinsteiger, die anstelle von ausgebildeten Lehrkräften eingestellt werden, könnten die Misere an den Schulen allenfalls mildern, seien aber so lange keine Lösung, wie sie nicht entsprechend pädagogisch ausgebildet würden. Sie bedürften einer intensiven Qualifizierung und pädagogischen Unterstützung, die nicht von den Lehrkräften an den Einsatzschulen erfolgen könne. Diese seien bereits überlastet.

„Wir brauchen neben einer verlässlichen Planung und spürbaren Entlastungen im Lehrerberuf eine aktive Nachwuchswerbung. Dazu benötigen wir attraktive Beschäftigungsbedingungen, die jetzigen sind eher abschreckend. Außerdem bedarf es einer leistungsgerechteren Bezahlung der Lehrkräfte an nicht-gymnasialen Schulen. Die vorgeschlagene, rechtlich unsichere Dorflehrerprämie wird keine junge Menschen motivieren, den Lehrerberuf zu ergreifen“, so Neumann abschließend.

Über den „Verband Niedersächsischer Lehrkräfte - VNL/VDR“: Der „Verband Niedersächsischer Lehrkräfte - VNL/VDR“ ist aus dem traditionsreichen Realschullehrerverband „VDR Niedersachsen“ hervorgegangen. Der VNL/VDR vertritt die Interessen aller Lehrkräfte an den Schulen in Niedersachsen, im Sekundarbereich I insbesondere an den Realschulen, Hauptschulen, Oberschulen und Gesamtschulen. Unter dem Dach des Niedersächsischen Beamtenbundes und Tarifunion (NBB) tritt der VNL/VDR für ein vielfältiges Schulsystem in öffentlicher und privater Trägerschaft ein. Der VNL/VDR widmet seine besondere Aufmerksamkeit eigenen Angaben zufolge vor allem der bildungspolitischen Mitte, also den Mittleren Bildungsgängen und Perspektiven sowohl für den beruflichen Einstieg wie auch für studienorientierte Bildungsabschlüsse. Der Verband Deutscher Realschullehrer (VDR) – Verband der Lehrer und Lehrerinnen an Schulen im Sekundarbereich – ist der Dachverband der ca. 20.000 Mitglieder zählenden Lehrerverbände des Realschulwesens und verwandter Schulformen in den Bundesländern. Der VNL/VDR ist Mitglied im VDR.