Elke von Meding hat heute die Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland erhalten. Sie wurde für ihre Tätigkeit als Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Bergen-Belsen sowie als Mitglied im Beirat der Stiftung Niedersächsische Gedenkstätten geehrt. Landrat Klaus Wiswe hat die Medaille heute im Stadthaus Bergen an Elke von Meding verliehen sowie die Laudatio gehalten. Wir geben diese ungekürzt und unkommentiert wieder:

Verdienstorden 11

„Meine sehr geehrten Damen und Herren,

ich darf Sie ganz herzlich zu dieser Feierstunde hier im Stadthaus Bergen begrüßen. Ich freue mich, dass Sie der Einladung zu diesem besonderen Anlass so zahlreich gefolgt sind.

Sehr geehrte Frau von Meding,

Sie stehen im Mittelpunkt dieser feierlichen Zusammenkunft.

Weiterhin heiße ich herzlich willkommen:
– Ihren Sohn Christian mit Ehefrau Ansgard und Ihren Enkelkindern Theodor und Jonathan
– Ihre Tochter Tanja mit Ehemann Reimar und Ihren Enkelkindern Mathilde, Cornelius und Theresa und
– Ihre Tochter Oda mit Partner Lars Lenhartz

Ich begrüße

– Herrn Bürgermeister Rainer Prokop

– Die Verleihung des Ordens haben Frau Dorothea Voß, Frau Ilse Rosenkranz, die Eheleute Frau Anne-Luise und Herr Dr. Fritz Riege sowie Herr Günter Bensch von der Arbeitsgemeinschaft Bergen-Belsen angeregt, die ich ebenfalls recht herzlich begrüße.

– Natürlich heiße ich auch alle anderen anwesenden Verwandte und Freunde willkommen, die auf Ihren Wunsch, sehr geehrte Frau von Meding, zu Ihrem heutigen Ehrentag eingeladen wurden.
[Info: insges. 38 Erwachsene und 6 Kinder, s. Gästeliste]

Auch die Vertreter der Presse heiße ich willkommen!

Meine Damen und Herren,

ich habe heute die angenehme und ehrenvolle Aufgabe, Ihnen, liebe Frau von Meding, die Ihnen von Bundespräsident Joachim Gauck verliehene

Verdienstmedaille
des Verdienstordens
der Bundesrepublik Deutschland

zu überreichen.
Der Verdienstorden wird an in- und ausländische Bürgerinnen und Bürger für politische, wirtschaftlich-soziale und geistige Leistungen verliehen sowie darüber hinaus für alle besonderen Verdienste um die Bundesrepublik Deutschland, wie zum Beispiel im sozialen und karitativen Bereich.

Mit der Ordensverleihung möchte der Bundespräsident die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf solche Leistungen lenken, denen er für unser Gemeinwesen besondere Bedeutung beimisst. Dabei sollen künftig noch häufiger Frauen ausgezeichnet und auch junge Menschen verstärkt berücksichtigt werden.

In den mittlerweile 52 Jahren seit seiner Stiftung wurde der Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland rund 243.000 Mal verliehen. Laut der Statistik des Bundespräsidialamts waren das zuletzt im Jahr 2012 insgesamt 1.812 Ehrungen.

Bei nahezu 82 Millionen Menschen in Deutschland verbleibt nur noch ein kleiner Kreis, dem diese Ehre zu Teil wird. Es ist also etwas ganz besonderes!

Genau diese besondere Auszeichnung verleihe ich heute im Namen des Bundespräsidenten an Sie, Frau von Meding, an eine Bürgerin, die Herausragendes geleistet und sich damit über das normale Maß hinaus für das Gemeinwohl unserer Gesellschaft eingesetzt hat.

Sehr geehrte Frau von Meding,

der Schwerpunkt Ihres ehrenamtlichen Engagements, für das Sie heute ausgezeichnet werden, ist die Erinnerungsarbeit im Zusammenhang mit den im Kriegsgefangenen- und Konzentrationslager Bergen-Belsen begangenen Verbrechen und deren Opfer – ich werde später noch darauf zurückkommen. Sie, liebe Frau von Meding, sind in diesem Zusammenhang Initiatorin, Förderin und Organisatorin einer Vielzahl an Projekten und Veranstaltungen. Besonders am Herzen liegt Ihnen dabei die Jugendarbeit. Darüber hinaus sind Sie auch auf kommunalpolitischer Ebene in der Stadt Bergen und hierbei insbesondere im Ortsteil Bleckmar aktiv.

Menschen mit einem so hohen Maß an ehrenamtlichem Engagement braucht unsere Gemeinschaft. Wir brauchen Menschen, die sich für die Vergegenwärtigung der Geschichte einsetzen und damit die Gesellschaft vor dem Vergessen bewahren.

Sie, Frau von Meding, sind ein Mensch, der sich für das Gedächtnis der Geschichte unserer Gesellschaft engagiert und diese an die nachfolgenden Generationen weitergibt.

Das Ehrenamt ist auch ein Zeichen funktionierender Demokratie. Ja mehr noch: Die Demokratie lebt vom Ehrenamt! Der ehemalige Bundespräsident Roman Herzog brachte es auf den Punkt, als er sagte: „Unsere Gesellschaft wäre ohne die ehrenamtlich tätigen Menschen nicht nur ärmer und kälter, sondern sie wäre auch weniger funktionsfähig.“

Wir sind heute zusammengekommen, um Ihnen für das Geleistete „Danke“ zu sagen. Wir tun das, indem wir Ihnen eine Auszeichnung übergeben, die Ihre Aktivitäten für die Allgemeinheit würdigt.

Damit wollen wir in zweifacher Sicht ein Zeichen setzen. Wir wollen Ihnen zeigen, welche Achtung wir Ihrem Engagement entgegenbringen. Und wir wollen andere damit zum Nachdenken und möglichst auch zum Nachahmen anregen.

Deshalb geht heute mein herzlicher Dank an Sie, Frau von Meding.

Meine Damen und Herren,

Elke von Meding wurde unter ihrem Geburtsnamen Elke Schoppe am 27. März 1942 in Hannover geboren.

1982 zog sie dann von Elmshorn nach Bergen und lebt seitdem in „Ihrem“ Ort Bleckmar. Bis zu Ihrer Pensionierung war sie als Pädagogin in der Anne-Frank Realschule in Bergen tätig.

Mitte 1996 nahm Elke von Meding dann als abgeordnete Lehrkraft Ihre Tätigkeit im Besucherdienst der Gedenkstätte Bergen-Belsen auf, in der sie mittlerweile nach Ihrer Pensionierung als Honorarkraft arbeitet.

Sehr geehrte Frau von Meding,

Sie haben sich im besonderen Maße für die Erinnerungsarbeit im Zusammenhang mit den Verfolgungen des nationalsozialistischen Regimes und hierbei schwerpunktmäßig im Zusammenhang mit dem Konzentrationslager Bergen-Belsen engagiert und sich damit in unserer Gesellschaft verdient gemacht. Besonders liegt Ihnen am Herzen, Kindern und Jugendlichen die Geschichte als Lehre für die Gegenwart näher zu bringen.

Im Jahre 1994 wurden Sie Mitglied in der Arbeitsgemeinschaft Bergen-Belsen, seit 2002 sind sie Vorsitzende. Ihre Tätigkeit in der Arbeitsgemeinschaft zeichnet sich vor allem durch Ihre Bestrebungen um die Weiterentwicklung und den Ausbau der Gedenkstätte Bergen-Belsen aus. Sie sind seit vielen Jahren Initiatorin verschiedenster pädagogischer Projekte im Rahmen der Erinnerungsarbeit.

Zunächst ist das Projekt „Band der Namen“ aus dem Jahre 2002 zu nennen, um einen kurzen Ausschnitt aus dieser Vielzahl an bisherigen und gegenwärtigen Projektarbeiten zu geben. 40.000 Jugendliche haben ein 2 1/2 km langes Folienband mit 40.000 Namen von Menschen beschrieben, die in das Konzentrationslager Bergen-Belsen transportiert wurden. Das Band wurde entlang der ehemaligen Lagerstraße ausgelegt und verbindet seitdem den Eingang des Lagers mit dem Krematorium. Besucher können entlang dieses Weges durch die friedliche Heidelandschaft gehen und werden dabei zum Nachdenken angeregt.

Im Jahre 2007 gaben Sie dann den Anstoß zu dem Projekt „Wir schreiben eure Namen“. Hier fertigen Schülerinnen und Schülern Tontafeln mit den Namen von sowjetischen Kriegsgefangenen an, die auf dem Kriegsgefangenen-Friedhof Hörsten begraben wurden und noch bis nach 1990 als „unbekannte Tote“ galten. So konnten bereits Ende 2012 über 1.400 sowjetischen Kriegsgefangenen die Namen und damit auch die ihnen geraubte Menschenwürde zurückgegeben werden.

Darüber hinaus wirken Sie seit Jahren an der Organisation und Durchführung der alljährlichen Gedenkveranstaltungen an der Bahnrampe bei Bergen-Hohne und bei Studienfahrten zu den Orten der nationalsozialistischen Verfolgung mit.

Ebenso sind sie Mitglied des Beirates der Stiftung niedersächsische Gedenkstätten und seit 1996 als Mitarbeiterin im Besucherdienst der Gedenkstätte Bergen-Belsen tätig. Neben Standardführungen haben Sie thematische Führungen konzipiert, die regelmäßig auf große Resonanz stoßen wie bspw. zum Thema: „Anne Frank im Konzentrationslager Bergen-Belsen“.

Selbst auf kommunalpolitischer Ebene sind und waren Sie viele Jahre aktiv. Im Rat der Stadt Bergen setzen Sie sich für die Interessen der Gedenkstätte Bergen-Belsen ein. Sie sind Vorsitzende der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen, sind Mitglied des Verwaltungsausschusses sowie zweier weiterer Ausschüsse und des Ortsrates Bleckmar.

Dem Ort Bleckmar gilt ebenfalls Ihr besonderes Interesse, liebe Frau von Meding. „Ene mene Tintenfaß! 50 Jahre Kindheitsgeschichte in Bleckmar“, so lautet der Titel Ihrer im Jahr 2010 veröffentlichten Schulchronik. Hier dokumentieren Sie in Zeitzeugeninterviews, wie Kindheit überall in den kleinen Dörfern des Landkreises vor, während und nach der Kriegszeit war.

Sehr geehrte Frau von Meding,

auch durch Ihr langjähriges Engagement bleibt die Gedenkstätte Bergen-Belsen kontinuierlich präsent und ist Anziehungspunkt für viele Besucherinnen und Besucher. Auch über die Grenzen Deutschlands hinaus sind Ihre Projekte bekannt und stoßen auf viel Interesse. Damit machen Sie auch international deutlich, wie Deutschland heute mit seiner Vergangenheit umgeht.

Mit ihrem jahrelangen und kontinuierlichen Einsatz für die Gedenkstätte Bergen-Belsen tragen Sie dazu bei, dass die Erinnerungen an die Verbrechen des Nazi-Regimes, auch beinahe 70 Jahre nach Kriegsende, erhalten bleiben und weitergegeben werden. Die Erinnerung an unsere Geschichte ist wichtig für den Erhalt einer friedvollen Gesellschaft, die aus den fatalen Fehlern der Vergangenheit lernen muss. Es ist für unsere Gesellschaft von großer Bedeutung, dass es Menschen wie Sie, Frau von Meding, gibt, die sich für die Erinnerungsarbeit einsetzen und damit die Geschichte am Leben erhalten, auch wenn es im Laufe der Zeit immer weniger Zeitzeugen geben wird.

Sehr geehrte Frau von Meding,

als Landrat des Landkreises Celle und stellvertretend für unseren Bundespräsidenten spreche ich Ihnen für Ihr langjähriges, ehrenamtliches Wirken zum Wohl der Allgemeinheit meinen besonderen Dank aus.

Ich habe nun die Ehre und es ist mir eine Freude, Ihnen die „Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland“ und die dazugehörige Verleihungsurkunde auszuhändigen.

Ich verlese die Urkunde zunächst im Wortlaut.

Darf ich Sie bitten?“

Fotos: Peter Müller

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