Klare Kante für die Kunst – Vier Künstler zur Gotischen Halle

Kunst Von Anke Schlicht | am Di., 27.10.2020 - 13:29

CELLE. Die im Spätsommer bekannt gewordenen Pläne, die Gotische Halle im Celler Schloss im Zuge von breit angelegten Umgestaltungsmaßnahmen des Landes Niedersachsen als Eigentümer nicht mehr bzw. stark eingeschränkt als Ausstellungsraum für bildende Kunst vorzusehen, hat in der Künstlerszene der Herzogstadt für heftige Kritik gesorgt. Die Empörung ging über die Hauptnutzer, den Bund Bildender Künstler (BBK Celle) sowie den Kunstverein, hinaus. Dieses zeigte sich an der parteiübergreifenden Reaktion aus den Reihen der Politik sowie am Statement des Atelier-22-Vorsitzenden, Jürgen Henke, im jüngsten Kulturausschuss.

Die Stadt Celle als Mieterin eines Teils des Schlosses führte in der ersten Jahreshälfte Gespräche mit Vertretern des Niedersächsischen Landesamtes für Bau und Liegenschaften sowie mit dem Staatlichen Baumanagement Lüneburger Heide, deren Inhalte die hiesige Kulturlandschaft berührten. An ausreichender Transparenz und Information der Vereine und Verbände ließ es das Kulturdezernat fehlen. Dieses Vorgehen sorgt bei den vier Celler Künstlern, die nachfolgend zitiert werden, ebenso für Kritik wie die im Raum stehenden Veränderungen.

Heidrun Pfalzgraf, Udo Strohmeyer, Roman Thomas und Horst G. Brune sind allesamt Mitglieder des BBK Celle. Der Kunstverein wird sich im Laufe der Woche mit einer Resolution zu Wort melden. Im November werden nach Auskunft der Pressestelle des Rathauses die Gespräche mit den genannten Institutionen wieder aufgenommen. Die zuständige Dezernentin, Susanne McDowell, hatte in der Stadtratssitzung am 17. September mit Blick auf den bevorstehenden Austausch zugesagt, die Kritik und den Unmut der Celler Künstlerszene übermitteln zu wollen.

Nachfolgend vier Beispiele unkommentiert und unzensiert:

Hort G. Brune: Ich würde es begrüßen, wenn bei der nächsten Besprechung über die Gotische Halle zwischen  Celle und dem Land auch die betroffenen Kunstvereine eingebunden werden, wie es im Kulturausschuss einige Ratsmitglieder der Verwaltung vorgeschlagen haben. Ich habe aber den Eindruck, dass das nicht passieren wird, da die eventuelle Umwidmung der Gotischen Halle einigen Personen gerade recht kommt.  Anscheinend wurde schon länger geplant, die CTM oder ihre Nachfolgegesellschaft in das Celler Schloss zu verlegen. Und was passt da besser, als die einzigartige Gotische Halle. Durch die Umwidmung der Gotischen Halle in einen Souvenirshop und Kassenbereich wird die Stadt Celle an Attraktivität verlieren. Gerade die zeitgenössische Kunst bescherte der Stadt für jede Ausstellung um die 3000 Besucher aus dem Umland zwischen Hamburg und Hannover, die anschließend noch das Kunstmuseum, die Altstadt oder das Residenzmuseum besuchten. Da keine Kunst auch keine Lösung ist, hat die Stadt als Alternative für die Kunstausstellungen die dunkle und klaustrophobische Gewölbehalle mit ihrer tiefen Decke und gebogenen Wänden ohne barrierefreien Zugang vorgeschlagen. Wenn wir dort ausstellen sollen, dann müssen wir den Kunstverein Celle schließen, sagte deren Vorsitzender bei der vorletzten Ratssitzung. Der BBK Celle sieht das ähnlich, das großformatige Konzept könnte dann wegen der niedrigen Gewölbewände nicht weitergeführt werden.

Heidrun Pfalzgraf: Von dieser unsäglichen Entscheidung der Stadt Celle habe ich erstmals durch CelleHeute.de erfahren. Als direkt betroffene BBK-Künstlerin bin ich entsetzt über die Entscheidung an sich, aber auch über das Procedere seitens der Stadt Celle.

Ich hätte zumindest erwartet, dass die direkt betroffenen Künstler über ihre Organisationen/Vereine im Vorhinein informiert werden, handelt es sich doch bei der Gotischen Halle um einen Ausstellungsort, der regelmäßig mit viel Eigeninitiative und Engagement der Künstler genutzt wurde. Diese Ausstellungen wurden von vielen CellerInnen und weit darüber hinaus auch von vielen Touristen besucht. Ich denke, da sprechen die Besucherzahlen für sich.

In vielen Gesprächen mit den BesucherInnen wurde immer die gelungene Symbiose der der zeitgenössischen Kunst mit der Historie der Stadt Celle hervorgehoben. 

Insofern ist es für mich absolut unverständlich, dass die Stadt Celle ein solches „Marketinginstrument“ ohne Not aus der Hand gibt.

Als katastrophales Signal der Stadt Celle empfinde ich die Tatsache, dass sich offensichtlich niemand der Verantwortlichen auch nur im Ansatz einen Gedanken zu einem alternativen Angebot für eine Ausstellungsfläche gemacht hat.

Zeigt das die Einstellung der Stadt Celle zu einer lebendigen Kunstszene in Celle!?

Ist das zeitgemäßes Stadtmarketing?

Wünschenswert wäre es auch, dass die Verwaltung in der Vorbereitung solcher Entscheidungen Fachleute, wie z.B die Vertreter des BBK oder des Kunstvereins etc., mit einbezieht.

Ich hoffe, den Verantwortlichen ist klar, dass sie mit ihrer Entscheidung den bildenden KünstlerInnen und der Celler Kunstszene eine wesentliche Grundlage entzogen haben. 

Dies ist gerade in Zeiten der Coronavirus-Pandemie absolut unverständlich und für sehr viele Mitbürger, mit denen ich zwischenzeitlich Kontakt hatte, nicht nachvollziehbar.

Udo Strohmeyer: Natürlich ist das in Coronazeiten ein Schlag ins Gesicht aller Künstler, die selbstständigen Künstler leiden besonders.

Aber nicht nur mir ist vor Corona aufgefallen, dass es bei BBK-Ausstellungen Tage gab, in denen lediglich 10 bis 20 Besucher das Schloss besuchten, täglich aber bis zu 120 Besucher in der Gotischen Halle waren, um Kunst zu sehen!!

Die Ausstellungen des BBK vor Corona hatten bis zu 3000 Besucher. Nicht nur Frau Lohmann, auch der Ortbürgermeister der Blumlage, sagte bei Ansprachen, wir, die Celler Künstler, sind eine Bereicherung für Celle!

Roman Thomas: Ich finde es sehr bedauerlich, wie mit dieser wichtigen Entscheidung zur Neustrukturierung der Gotischen Halle des Celler Schlosses umgegangen wurde.

Das kulturelle Leben unserer Stadt wird durch ein hohes bürgerschaftliches Engagement lebendig gehalten und stetig weiterentwickelt - und nicht etwa durch das Rathaus. Leider werden genau diese, sich mit ganzem Herzen engagierenden Menschen in so wichtige Entscheidungen nicht mit einbezogen - ganz im Gegenteil - es beschleicht mich das Gefühl, dass deren wertvolle Arbeit sogar konterkariert wird. 

Es stellt sich die Frage, weshalb zum Beispiel bei einer so wichtigen Entscheidung wie der Neunutzung der Gotischen Halle weder der Kunstverein noch der BBK mit einbezogen wurden. Als Nutzer der Räumlichkeiten können sie doch wertvollen Input für Rahmenbedingungen etwaiger neuer Räumlichkeiten und deren Nutzungsmöglichkeiten geben. Stattdessen werden als Ersatz "hochwertige Räume" vorgeschlagen, die in ihrer Nutzbarkeit für eine Kunstausstellung so gut geeignet sind wie der Schloss-Innenhof als neues Stadion für den TUS-Celle FC. Augenscheinlich wurde am grünen Tische bewertet und entschieden.

Ich persönlich habe nichts gegen Veränderungen, denn sie gehören zum täglichen Leben dazu und können wichtige und neue Impulse geben. Es geht vielmehr um die nicht vorhandene Kommunikation, um die fehlende Solidarität, das fehlende Miteinander. 

Wer so agiert, schafft keinen Zusammenhalt in der Gesellschaft. Es geht doch schließlich um eine lebenswerte Stadt - und wie wir sie gemeinsam gestalten. Oder besser gesagt: „Der edle Mensch trifft seine Freunde auf dem Wege der Kultur und er benutzt Freundschaft als ein Mittel, Tugend durch gegenseitige Anleitung zu fördern", - Konfuzius.