Vier Karstadt Filialen schließen in Niedersachsen - Celle bleibt

Wirtschaft Von Redaktion | am Fr., 19.06.2020 - 14:00

ESSEN/CELLE. In der vergangenen Nacht wurden die letzten Verträge zwischen den Arbeitnehmervertretern und dem Management von Galeria Karstadt Kaufhof unterzeichnet. Dass insgesamt 62 Filialen von 172 schließen, stand bereits fest - aber welche Standorte, wurde erst vor wenigen Minuten verkündet. Nun steht es fest: An Celle geht der Kelch vorüber. Entsprechende Vorabinformationen meldeten wir bereits in unserer App und den Facebook- und Twitter-Kanälen.

Für die anderen Standorte bestehe keine wirtschaftliche Fortführungsperspektive, teilte das Unternehmen mit. Laut ver.di drohen rund 6000 Mitarbeiten der Jobverlust. Für die Mitarbeiter, die bleiben dürfen, trete ab dem 1. Juli wieder der sogenannte Integrations-Tarifvertrag in Kraft, der nach der Fusion von Karstadt und Kaufhof geschlossen wurde und bis zur Coronakrise galt. Dieser besagt, dass die Mitarbeiter finanziell zur Rettung des Unternehmens beitragen müssen. Ab 2025 sollen wieder vollumfänglich die Verdi-Flächentarifverträge des Einzelhandels gelten.

ver.di erklärt soeben, unzensiert und unkommentiert: 

Galeria Karstadt Kaufhof: Schließung der Filialen „ein Schlag ins Gesicht für alle betroffenen Kolleg*innen“

„Das ist ein Schlag ins Gesicht für alle betroffenen Kolleg*innen!“ So kommentiert Landesfachbereichsleiterin Sabine Gatz für die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) die heute angekündigten Schließungen von 4 Filialen der Galeria Kaufhof Niedersachsen. Nach mehr als 16 Jahren der Sanierung und des damit verbundenen Gehaltsverzichts stünden alleine in Niedersachsen die Existenzen von mehr als 350 Beschäftigten auf dem Spiel. Vor der Schließung stehen die Filialen in Braunschweig (Kaufhof, 79 Beschäftigte), Bremerhaven (Karstadt, 66), Goslar (Karstadt, 67), Hannover (Karstadt, 101) und Osnabrück (Kaufhof, 65). Wir werden alles tun, um den betroffenen Beschäftigten in dieser Situation zu helfen“, kündigte Gatz an.

Zum Jahreswechsel 2020 hatten die Karstadt Warenhaus GmbH und die Galeria Kaufhof GmbH mit Hilfe eines Integrationstarifvertrags und den damit verbunden finanziellen Beiträgen durch die Beschäftigten fusioniert. Im April dieses Jahres, nicht nur bedingt durch die Corona-Pandemie, hatte die Konzernleitung des angeschlagenen Warenhauskonzernes das sogenannte Schutzschirmverfahren beantragt. „Die Mitglieder der ver.di Bundestarifkommission und die Betriebsräte haben seitdem nichts unversucht gelassen, den Super-GAU doch noch zu verhindern“, weiß Gatz.

„Die Fehler sind hausgemacht, und die Corona Krise war letztlich nur der Brandbeschleuniger“, kritisiert sie. Management um Management habe sich die Klinke in die Hand gegeben. Das durch die ver.di-Bundestarifkommission und die Betriebsräte geforderte Zukunftskonzept für den Verbleib der restlichen Warenhäuser liege immer noch nicht vor. „Und schon wieder zahlen die alleinerziehende Verkäuferin und der Familienvater mit ihren geringen Einkommen für die Fehler des Managements!“ so die Gewerkschafterin.

Gatz nimmt auch die Politik in die Verantwortung. „Es muss jetzt schnell und unbürokratisch ein Konzept erarbeitet werden, wie es an den verbleibenden Standorten weitergehen soll“, fordert er und betont dabei ausdrücklich, dass dies zusammen mit den Beschäftigten geschehen müsse und nicht über deren Köpfe hinweg! „Jede Chance der Weiterbeschäftigung bzw. Unterbringung in einer der verbliebenen Filialen sollte genutzt werden“ so Gatz weiter.

Gatz kündigte Unterstützung für die betroffenen Kolleg*innen an. ver.di werde mit Infoveranstaltungen und telefonischer Rechtsberatung versuchen, alle Fragen zu beantworten und für eine soziale Abfederung der Arbeitsplatzverluste kämpfen.