MÜDEN/ÖRTZE. Zum dritten Mal fand in diesem Jahr, nach der offiziellen Veranstaltung zum Volkstrauertag vor der ev.-luth. St. Laurentiukirche, eine kleine Gedenkfeier auf dem alten Friedhof am Neuen Damm statt. Dort liegen Grabtafeln, die auf Russen, Ukrainer und Polen hinweisen, die in Müden durch/im Krieg umgekommen sind. Die Teilnehmerzahl war gering.

Ortsvorsteher Volker Nickel hielt eine Ansprache vor den zehn Grabtafeln am Friedhofseingang Neuer Damm/Schulstraße. Er wies in diesem Jahr besonders auf das Leiden sowjetischer Soldaten und Kriegsgefangener hin: „Über 5 Millionen Armeeangehörige gerieten in deutsche Kriegsgefangenschaft und 3,3 Millionen kamen dabei um. Auch annähernd 80.000 jüdische Kriegsgefangene, Angehörige der Roten Armee, wurden ermordet. Viele Kriegsgefangene wurden auch in deutschen Konzentrationslagern inhaftiert und wurden auf zahlreiche Arten, mittels Genickschussanlagen, Hängen, tödlicher Injektionen und durch Massenerschießungen ermordet. Schon die Unterbringungsmöglichkeiten, unter desaströsen Bedingungen im Freien bei unzureichender Ernährung, schlechter Hygiene und kaum medizinischer Versorgung waren praktizierte Morde. Hunderttausende liegen in Massengräbern, wie in Wietzendorf und in Bergen-Belsen, oder wurden im Boden verscharrt.“

Doris Artelt erinnerte daran, dass immer noch nicht klar sei, um was für Menschen es sich bei den namentlich erwähnten Toten auf dem alten Friedhof handelt. Erste Recherchen hätten ergeben, dass von den Männern vermutlich einige in der Kieselgur in Oberohe, bei Rheinmetall in Unterlüß und auf dem Hof Tewes in Hankenbostel gearbeitet haben sollen. Hier gelte es noch, viel aufzuarbeiten – eine sinnvolle Arbeit, denn: „Es ist nicht klar, ob die Familien wissen, wo und wie ihre Angehörigen umgekommen und begraben sind“, so Doris Artelt.

Karin Chamberlain las das Gedicht „Die jungen toten Soldaten“ von Archibald Macleish, einem amerikanischen Dichter und Politiker vor, als Mahnung vor dem Krieg und als Auftrag an die Lebenden. Im Anschluss legten die Teilnehmer der kleinen Gedenkfeier rote Rosen an den Grabtafeln nieder.

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