Auch in Klein Hehlen Wählerwillen missachtet - Klaus Didschies abgewählt

Politik Von Anke Schlicht | am Mi., 24.11.2021 - 08:16

CELLE. Klaus Didschies vereinigte bei der Kommunalwahl im September 1385 Direktstimmen auf sich, Karin Abenhausen lediglich 415. Dennoch wurde sie gestern Abend zur neuen Ortsbürgermeisterin von Klein Hehlen gewählt. Klaus Didschies hatte das Amt fast 25 Jahre inne, gerne hätte er weitergemacht. Sie hatte eine fertige Rede in der Tasche, das heißt, die Wahl zur Klein Hehlener Ortsbürgermeisterin kam für die Grüne Karin Abenhausen nicht überraschend. Man habe bereits im Vorfeld unter den Bürgern Ideen gesammelt, sagt sie.

In der Mehrheit hatten sich diese jedoch bei der Kommunalwahl im September nicht für sie entschieden, sondern für Klaus Didschies (CDU). Er bekleidete das Amt seit 1997 und vereinigte 1385 Direktstimmen auf sich, insgesamt holte die CDU mit 45,5 Prozent vier von neun Sitzen, die Grünen hingegen mit 18,1 Prozent nur zwei. Ganze 415 Direktstimmen konnte Abenhausen erringen. Und doch hat sie das Amt nun inne, Zünglein an der Waage bei der gestrigen Abstimmung in der Alten Exerzierhalle, in der sich auffallend viele Zuschauer eingefunden hatten, war die FDP, die mit einem Sitz vertreten ist. Die SPD hatte frühzeitig angekündigt, dass sie jede Gelegenheit nutzen würde, um die CDU aus Ämtern zu verdrängen, somit war klar, dass ihre beiden Vertreter für Abenhausen votieren würden.

Die SPD interessiert sich nicht zum ersten Mal für den Wählerauftrag. In Groß Hehlen platziert sie Patrick Brammer (127 Stimmen) zum Bürgermeister gegen Axel Fuchs, CDU (941 Stimmen). In Neuenhäusen sorgte die SPD für eine Mehrheit zu Gunsten von Dr. Jörg Rodenwaldt (258 Stimmen) gegen den mit 1297 wesentlich beliebteren CDU-Kandidaten Joachim Ehlers. 

Der erste Wahlgang in geheimer Abstimmung ging bei einer Enthaltung vier zu vier aus, erst in der zweiten Runde vereinigte die Grüne 5 Stimmen auf sich. Didschies unterlag mit vier und zeigte sich sichtlich mitgenommen, gratulierte mit der Begründung Corona nur im Vorbeigehen und meldete sich bei der Stellvertreterwahl wieder zu Wort: „Ich beantrage, dass wir nur einen Stellvertreter wählen, so wichtig sind wir nicht.“ Durchsetzen konnte er sich nicht, der FDP-Mann Eike Thies wurde ebenso wie der Genosse Gerhard Skadde in das Amt des Vertreters von Abenhausen gewählt. Auch Christian Ceyp (CDU) war vorgeschlagen worden, er lehnte jedoch ab. Seine Begründung machte die Stimmung in der Klein Hehlener CDU sehr deutlich: „Wir haben hier eben einen bewegenden Moment erlebt. Wir müssen das erstmal verarbeiten.“

Karin Abenhausen kündigte indes in ihrer Ansprache eine Regionaloffensive an. „Wir haben so tolle Unternehmen und Höfe in Klein Hehlen, wir wollen Einblick nehmen“, sagte sie und fügte hinzu: „Alles, was aus Klein Hehlen kommt, wollen wir stärken.“ Eingangs hatte sie darauf hingewiesen, dass sie ein Neuling im politischen Geschäft sei. Als regelmäßiger Teilnehmer kommunalpolitischer Sitzungen kennt man Karin Abenhausen jedoch. Kein Ausschuss und kaum eine Stadtratssitzung fand in der abgelaufenen Wahlperiode ohne sie statt. Sie hielt die Verwaltung im Neuen Rathaus mit immer neuen Einwohneranfragen zu den unterschiedlichsten Themen und teilweise sehr kleinteiligen Belangen auf Trapp. Hatte sie die Antwort vorgelesen bekommen, erhob sie sich im Zuschauerraum, ging ans Mikrofon und nutzte die Gelegenheit für eine Zusatzfrage.

Nun hat sie eine neue Rolle inne und kann aktiv gestalten. Und wie es sich anfühlt, mit weniger Stimmen gewählt zu werden, weiß ausgerechnet Didschies selbst - im Stadtrat wurde er so zum Bürgermeister gewählt. 

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