„Wald in Not“: Präsident der „AGDW – Die Waldeigentümer“ sieht Lösungsansatz im gesellschaftlichen Bewusstseinswandel

Wirtschaft Von Redaktion | am Do., 19.09.2019 - 12:07

HERMANNSBURG. Hans-Georg von der Marwitz, Präsident des Interessenverbandes „AGDW – Die Waldeigentümer“, die als wichtigster Zusammenschluss der nicht staatlichen Forstwirtschaft in Deutschland gilt, hat gestern im Hermannsburger Hotel Heidehof ein düsteres Bild der aktuellen Situation in deutschen Wäldern gezeichnet. „Wir haben eine Situation, wie wir sie noch nie erlebt haben. Die Lage ist dramatisch. Wer jetzt noch glaubt, dass wir nicht im Klimawandel angekommen sind, dem ist nicht mehr zu helfen“, so der Land- und Forstwirt aus dem östlichen Brandenburg, der über 1,3 Millionen private Waldbesitzer bundesweit repräsentiert. Eingeladen hatte zu der Konferenz unter der Überschrift „Wald in Not! Was ist zu tun?“ der Celler CDU-Bundestagsabgeordnete Henning Otte im Vorfeld des Nationalen Waldgipfels am 25. September in Berlin. Rund 100 Waldeigentümer aus den Landkreisen Celle, Uelzen und Heidekreis waren der Einladung gefolgt um sich zu informieren und über die aktuelle Lage auszutauschen.

„Kyrill, Paula, Emma, Vincent, Niklas Xavier, Friederike...“ - von der Marwitz zählt die Namen der Orkane der jüngeren Vergangenheit inklusive Jahreszahl ohne Stocken auf. Dazu zwei extrem trockene Sommer in Folge. „Man war erst davon ausgegangen, dass es nur die Fichte ist, die sich verabschiedet. Aber es hat längst auch die Kiefer und Lärche erreicht. Und auch die Buche verabschiedet sich“, berichtet der Verbandspräsident, der auch Abgeordneter des Deutschen Bundestages ist, von den Eindrücken, die er während der Sommerpause des Parlamentes in Wäldern des ganzen Bundesgebietes gesammelt hat.

Im Mittelpunkt stand zunächst der finanzielle Aspekt der Misere. „Die Holzpreise sind im freien Fall“, hatte Volker Schulte, Sprecher des Initiativkreises Forstwirtschaftlicher Zusammenschlüsse unter dem Dach der AGDW eingangs festgestellt. Ursache sei ein immenses Ausmaß an Schadholz, aber auch eine Handvoll "Großjäger" auf dem Holzmarkt.  An Ideen und Vorschläge, wie Waldbesitzer auch in solchen Zeiten überleben können, fehlt es nicht. „Wir müssen der Gesellschaft deutlich machen, was wir über die Holzproduktion hinaus leisten“, erklärt von der Marwitz und nennt: die CO2-senkende Leistung des Waldes, seine Leistung als Wasserspeicher- und filter, Luftreinigung, Schutz vor Erosion und nicht zuletzt die Bedeutung als Erholungsraum. All diese Leistungen sollte die Gesellschaft auch finanziell honorieren, zum Beispiel in Form eines Wassercent für den Wald, finden dessen Eigentümer und Bewirtschafter. Eine „Holzbauoffensive“, d.h. fest gelegte Anteile der Verwendung von Holz für Landes- und Bundesbauten stehen darüber hinaus als Vorschlag im Raum. Cellulose statt Polyethylen – mehr Holzprodukte um Plastik zu vermeiden – auch diese Forderung aus dem Teilnehmerkreis dürfte nicht nur unter Forstleuten auf Zustimmung stoßen.

Zugleich distanzieren sich die Waldeigentümer aber klar von Umwelt- und Naturschutzverbänden, auch wenn sie kaum noch leugnen können, dass in einigen Bereichen, zum Beispiel bei der Jagd, ihre Ziele teilweise in die gleiche Richtung gehen: „Es ist jetzt nötig, vorzuhalten“, sagt Hans-Georg von der Marwitz auf Nachfrage eines Teilnehmers. Zu deutsch: Es muss mehr Wild geschossen werden, das junge Bäume im Wald schädigt. Das heikle Thema hatte er in seinem Vortrag erst mal ausgeklammert. Ganz klar ist für den AGDW-Präsidenten aber: Seine ökologische Funktion als CO2-Speicher kann nur ein bewirtschafteter Wald ausüben, in dem es wenig bis kein Totholz und viel Aufwuchs gibt.

„Wir stehen in der Tradition der Jahrhunderte. Lassen wir uns nicht einreden, dass wir viele Fehler gemacht haben. Unsere Großeltern haben Immenses geleistet bei der Wiederaufforstung nach dem Krieg“, wehrt sich der Repräsentant der nicht staatlichen Waldeigentümer auch gegen Vorwürfe hinsichtlich zu viel Nadelholz in Monokulturen. Ohne Nadelholz werde es auch in der Forstwirtschaft in Zeiten des Klimawandels nicht gehen. So sei beispielsweise die Douglasie eine Art, die gezeigt habe, wie stabil und resistent sie sei.