UNTERLÜSS. Alle Förster des Forstamtes sowie Forstleute aus Fachabteilungen der Niedersächsischen Landesforsten (NLF) und des Landwirtschaftsministeriums versammelten sich in Unterlüß, um von den Waldinventur-Spezialisten die Ergebnisse der so genannten ‚Forsteinrichtung‘ vorgestellt zu bekommen. Daraus leitet sich die künftige Bewirtschaftung des Landeswaldes auf der Grundlage der „Langfristigen Ökologischen Waldentwicklung“ – kurz LÖWE-Programm – ab. Die Forsteinrichtung ist Inventur und Planung gleichermaßen.

„Der Wald ist weder ein Supermarkt, noch ein Industriebetrieb. Dennoch ist auch hier in bestimmten Abständen eine Inventur nötig, um die Planung und den weiteren Betrieb auf eine solide Basis zu stellen“ erklärt Forstamtsleiter Dr. Hans-Martin Hauskeller. Aufgrund der großen Fläche, des eher langsamen Wachstums der Wälder und des großen Aufwandes wird eine solche Inventur in den Forstämtern der NLF nur alle zehn Jahre durchgeführt.

Neben der Zustandsaufnahme und einer kritischen Rückschau werden die Regeln und Ziele für die nächsten zehn Jahre festgelegt. Dazu sind die Spezialisten in den vergangenen Monaten durch die Waldbestände des Forstamtes gelaufen und haben stichprobenartig in allen Altersklassen und Baumarten-Zusammensetzungen gemessen. Sie erfassten den Holzvorrat, die Waldstruktur, die Verjüngung des Waldes sowie Pflegezustand, Naturschutzaspekte und viele andere Kriterien. Hier wurde den Förstern aus Unterlüß ein gutes Zeugnis für ihre Arbeit der letzten zehn Jahre ausgestellt. NLF-Präsident Dr. Klaus Merker bedankte sich daher und würdigte die Leistung der Unterlüsser Förster.

Foto: Niedersächsische Landesforsten

Foto: Niedersächsische Landesforsten

„Unser Holzvorrat ist deutlich gestiegen und wir werden im kommenden Jahrzehnt den jährlichen Einschlag auf gut 80.000 Festmeter (Kubikmeter) anheben können. Zudem ist es durch die Arbeit der Revierförster und Forstwirte gelungen, dass der Nachwuchs von jungem Mischwald zu deutlich strukturreicheren Wäldern geführt hat – häufig mit hohen Eichen- und Buchenanteilen“, sagt Forstamtsleiter Hauskeller, „dabei ist auch der Anteil alter Bäume generell, sowie auch der des ökologisch wertvollen stehenden, starken Totholzes aus Laubbäumen angewachsen.“

Eine nachhaltige Nutzung älterer Bäume geht immer einher mit der Verjüngung der Wälder. „Die Waldverjüngung wird für die Mitarbeiter des Forstamtes im kommenden Jahrzehnt einen bedeutenden Raum einnehmen. Wir werden jedes Jahr über einhundert Hektar mit jungen Bäumen bepflanzen und – wo möglich und zielgerichtet – die natürliche Ansamung der Waldbäume unterstützen und pflegen“, erklärt der Forstmann. Wichtiges Kriterium ist auch, die zukünftigen Waldbestände in ihren Mischungen langfristig fit für Klimaveränderungen zu machen.

Bereits ein Jahr vor der Forsteinrichtung waren Waldbiotop-Kartierer unterwegs gewesen. Diese speziell geschulten Forstleute nahmen die Naturschutz- und FFH-Gebiete in den Landesforsten unter die Lupe. Neben den Flächen innerhalb des Waldes begutachteten sie auch waldfreie Biotope wie Binnendünen, Heideflächen oder Gewässer – Lebensraum vieler seltener Tiere und Pflanzen. Die Daten der Waldbiotopkartierung dienten als Grundlage für die Planungen der Forsteinrichtung.

Am Nachmittag erläuterte Planer und Forsteinrichter Tim Nöllenheidt an ausgewählten Waldbildern im Forstamt, wie die Bewirtschaftung des Heidewaldes mit ökologischen Aspekten in Einklang gebracht werden kann. Gerne würden die Förster diesen Wald in hundert Jahren betrachten können: „Das ist die besondere Herausforderung am Forstberuf – wir begründen einen Wald, den erst zukünftige Generationen ernten können“ resümiert Forstamtsleiter Hauskeller.

Weitere Informationen zum Forstamt Unterlüß finden Sie unter www.landesforsten.de/Unterluess

Fotos: Niedersächsische Landesforsten

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