HANNOVER. Die Naturschutzverbände NABU und BUND unterzeichnen heute gemeinsam mit dem Niedersächsischen Landwirtschaftsministerium und mit Organisationen der Waldbesitzer, der Forst- und der Holzbranche ein Konsenspapier „Wälder für Niedersachsen“. Es formuliert unter anderem Ziele für mehr Naturschutz in den niedersächsischen Wäldern und wurde zusammen mit den Naturschutzverbänden entwickelt.

„Das Konsenspapier enthält zahlreiche positive Ansätze, es wird letztendlich jedoch daran zu messen sein, wie weit diese in der Praxis umgesetzt werden“, sagt Heiner Baumgarten, BUND-Landesvorsitzender. „Im Waldschutz gibt es derzeit in Niedersachsen noch großen Handlungsbedarf. Den Worten müssen nun rasch Taten folgen.“

Das Konsenspapier schreibt fest, dass naturnahe Wälder aufgebaut und ohne Kahlschläge nachhaltig bewirtschaftet werden sollen. „Diese Forderung ist längst überfällig, denn Kahlschläge sind Waldwirtschaft von vorgestern“, stellt Holger Buschmann, Vorsitzender des NABU Niedersachsen, fest. „Ein Verbot von Kahlschlägen von über einem halben Hektar muss endlich auch ins Landeswaldgesetz aufgenommen werden!“ Bisher existiert hier nur eine Anzeigepflicht bei Kahlschlägen ab einem Hektar.

Die Verbände begrüßen, dass im Waldkonsenspapier der Bodenschutz bei der Holzernte betont wird. „In der Praxis werden viele Wälder durch Rückegassen stark zerstückelt, etwa ein Viertel der Waldfläche und des Waldbodens werden dadurch massiv geschädigt“, kritisiert Baumgarten. Diese Schneisen werden von den schweren Holzerntemaschinen befahren. „Wir fordern, den Abstand zwischen diese Schneisen von derzeit meist 20 auf mindestens 40 Meter zu vergrößern. Öffentliche Waldbesitzer wie Landesforsten, Kommunen und Stiftungen müssen hier mit gutem Beispiel vorangehen.“

Kritik üben die Naturschutzverbände auch an der heutigen Förderpraxis. „Die niedersächsische Forst-Förderrichtlinie wurde zwar leicht verbessert, dennoch werden in Niedersachsen immer noch Maßnahmen subventioniert, die im Gegensatz zu den Naturschutzzielen stehen“, weiß Buschmann. Als Beispiele sind die Anpflanzung von nichtheimischen Baumarten, die naturnahe Wälder beeinträchtigen können, oder der Ausbau von Waldwegen zu überdimensionierten Lkw-Trassen für die Holzabfuhr zu nennen. „Mittel für Vertragsnaturschutz im Wald sind in der Forstförderrichtlinie gar nicht mehr enthalten“, so Buschmann. Das Konsenspapier legt daher bei der Subventionspraxis zukünftig neue Maßstäbe an: Bei der finanziellen Förderung der Forstbetriebe soll insbesondere der naturnahe Waldbau unterstützt werden.

Besonders wichtig sind BUND und NABU außerdem die Erhaltung von alten Bäumen, von totem Holz und von Höhlenbäumen für die Artenvielfalt; auch die Behandlung von Wäldern mit Insektenvernichtungsmitteln aus der Luft muss dringend gestoppt werden. Die beiden Verbände würden es begrüßen, wenn von den positiven, aber vagen Aussagen im Waldkonsenspapier ein Signal für mehr Naturschutz im Wald ausgeht.

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