„Warum ein Bebauungsplan für den Ortskern Boye?“

Politik Von Anke Schlicht | am Di., 20.07.2021 - 08:30

CELLE. „Ich sehe keinen Bedarf für einen Bebauungsplan ‚Ortskern Boye‘, wenn, dann erklären Sie, wofür, was soll da entstehen?“ Diese Frage stellte Ratsfrau Inga Marks im jüngsten Ausschuss für Bau und Stadtentwicklung. Eine Antwort erhielt sie auch in der Stadtratssitzung am vergangenen Donnerstag nicht. In beiden Gremien stand das Thema auf der Agenda.

Die Verwaltung informierte die Ratsmitglieder mit Verweis auf „den fortschreitenden Wandel der zentralen Lagen der alten zur Stadt Celle gehörenden Dörfer, der auch für den Bereich Boye gelte“, dass sie einen Bebauungsplan für den Ortskern Boye aufstellen möchte. „Dieser dient dazu, diesen Wandel bauleitplanerisch zu begleiten und gleichzeitig die Qualität und kulturelle Identität der dörflich geprägten Ortsteile auch für die Zukunft zu sichern und weiterzuentwickeln“, hieß es in der Begründung.

Sowohl im Ausschuss als auch in der Ratssitzung wurde kritisch nachgefragt - auch vor dem Hintergrund, dass in Boye gerüchteweise die Rede davon ist, an zentraler Stelle solle ein Altenheim entstehen. „Es gibt einen Flächennutzungsplan, die neue Bebauung muss sich den bisherigen Gebäuden anpassen. Wieso reicht der § 34 des Baugesetzbuches hier nicht aus?“, wollte Daniel Biermann (AfD) wissen und bat ausdrücklich darum, ins Protokoll aufzunehmen, dass die alte Bebauung geschützt werde. Inga Marks (Zukunft Celle) berief sich in ihrer Argumentation ebenfalls auf den Paragraphen 34 und hob hervor, dass in der Mitte des alten Dorfes Boye bisher nichts überformt worden sei: „Es stehen dort die Gehöfte wie eh und je und es wurden keine Hallen dazu gebaut, was man dann als Überformung bezeichnen könnte. Lediglich der Inhalt der Scheunen hat sich gewandelt, so lagert dort kein Stroh und Heu mehr, sondern Wein.“ Zudem handele es sich um ein Mischgebiet, das Wohnen und Gewerbe zulasse.

Stadtbaurat Ulrich Kinder hielt im Bauausschuss dagegen: „Es gibt Dinge, die sich verändern. Der § 34 regelt nicht alles, er ist sehr offen. Sie kommen bei jedem Einzelfall in die Debatte. Wir wollen die vorhandene Struktur schützen.“ In der Ratssitzung erneuerte er diese Zusage. Jürgen Rentsch (SPD) musste er nicht überzeugen, er verkündete für seine Fraktion, dass man gleicher Meinung wie die Verwaltung sei. „Wir müssen Veränderungen im Auge behalten und Wildwuchs verhindern.“

Heiko Gevers sieht sowohl als CDU-Fraktionsmitglied als auch als Einwohner Boyes keinen Anlass für Bedenken: „Ich bin froh darüber, dass ein Bebauungsplan aufgelegt werden soll.“

Dieses wird in die Tat umgesetzt werden, die Mehrheit der Ratsmitglieder entschied sich dafür, Zukunft Celle und Die Linke/BSG votierten dagegen.