CELLE. Schulden, Öffnung der Telefunkenstraße, Fahrradständer, Baumfällungen, unwürdig berichtende Online-Zeitung – viele Themen interessierten rund 70 BürgerInnen, die Christian Ceyp, der Vorsitzende des CDU Ortsverbandes Klein Hehlen, begrüßte – nicht nur aus Klein Hehlen – zum Gedankenaustauch mit Oberbürgermeister Dr. Jörg Nigge. Ortsbürgermeister Klaus Didschies gehörte ebenso zu den Gästen wie der letzte ehrenamtliche Oberbürgermeister der Stadt Celle, Friedrich Schulze.

„Wir brauchen eine bessere Kultur des Umgangs miteinander“

Nach der Planung von Ceyp sollte der Oberbürgermeister ein Eingangsstatement von 15 Minuten halten und dann den BürgerInnen für Fragen zur Verfügung stehen. Daraus wurde ein Referat von nahezu 45 Minuten.

 Nigge erläuterte die Schwerpunkte seiner Arbeit, aus seiner Sicht insbesondere die Themenfelder Familie, Wirtschaft und Tourismus. Vor allem läge ihm die „Kultur des Umgangs miteinander“ am Herzen. Wie schon beim ersten „Stadtgespräch“ Anfang des Jahres verdeutlichte er sein Verständnis von Umgangskultur gegenüber Medien: Er sparte erneut nicht mit der Kritik an der Berichterstattung „eines Online-Magazins“ – dieses Mal zur leidlichen Kreisel- und Fahrradständerthematik. Die wochenlangen Wiederholungen seien aus seiner Sicht mit einem „Magazin, das sich auf die Fahnen schreibe, für Celle werbend“ tätig sein zu wollen, nicht kompatibel gewesen. Dieses hätte seine ausführenden Mitarbeiter namentlich angeprangert, die deswegen nun wenig motiviert seien, sich weiter eigenständig zu engagieren. Auch zeigte er sich enttäuscht darüber, dass sich ein Ratsmitglied wegen der Thematik an das Innenministerium und den Bund der Steuerzahler gewandt hätte.

Um Missverständnissen vorzubeugen, haben wir bei der Verwaltung nachgefragt, welches „Online-Magazin“ gemeint ist – CELLEHEUTE jedenfalls hat weder Mitarbeiter der Stadt bloßgestellt noch schreiben wir uns auf die Fahne, für eine Stadt oder irgendeine Sache zu „werben“.



„Ich möchte kein Bashing gegen meine Vorgänger betreiben, aber…“

Eines seiner vorrangigen Ziele sei es, dass sich die gesamte Verwaltung als Dienstleister der Bürger sehe. Leider sei die finanzielle Situation der Stadt desaströs – niedersachsenweit hat Celle die höchste Pro-Kopf-Verschuldung. Seit Jahren habe die Stadt vor seiner Amtszeit weit über ihre Verhältnisse gelebt und einen immensen Schuldenstand aufgebaut.

„Ich möchte kein Bashing gegen meine Vorgänger betreiben und sie haben in ihrer Zeit sicher richtig gehandelt. Aber aus heutiger Sicht hätte ich manches anders entschieden. Und um nach vorn zu gucken, muss ich auch nach hinten schauen“, entschuldigt sich Nigge für seine öffentliche Kritik an seinen Amtsvorgängern.
 
Kredite seien nicht für Investitionen aufgenommen worden, sondern es sei mehr ausgegeben worden als man sich eigentlich hätte leisten können. Er sei mit den Mitarbeiten der Verwaltung auf einem guten Weg und hoffe, in drei Jahren das Ziel erreicht zu haben, einen ausgeglichenen Haushalt vorlegen zu können.

„Blumenkübel haben Steuerzahler nichts gekostet“

„Das geht nicht ohne schmerzhafte Einschnitte in allen Bereichen der freiwilligen Leistungen“, so Nigge. Neben der Rückübertragung von Aufgaben, die ursprünglich zum Landkreis gehört haben, seien es unter anderem die Kleingärtner und die Sportvereine, bei denen die Förderung transparenter und stringenter gehandhabt werden müsse. Um sich dennoch die eine oder andere Neuerung leisten zu können, bedürfe es innovativer Ideen, wie dies z.B. bei der Bepflanzung der Blumenkübel in der Innenstadt gelungen sei. „100.000 Euro haben wir durch Sponsoren dafür aufgebracht – das hat den Steuerzahler keinen Cent gekostet“, berichtet er stolz.

 

Weiter wies Nigge darauf hin, dass Kinder und Jugendliche bei seinen Entscheidungen höchste Priorität genössen. Die Ausweisung neuer Baugebiete mit der erforderlichen Infrastruktur sei für die Entwicklung der Stadt unerlässlich. Um dauerhaft neue Einwohner an Celle binden zu können, bedürfe es weiterer Arbeitsplätze und der Ansiedlung neuer Arbeitgeber. Die Attraktivität der Innenstadt dürfe dabei ebenso wenig unter den Tisch fallen, wie Anreize für modernes Wohnen in der Altstadt zu schaffen.

„Wir haben Google angeschrieben. In Berlin sind sie mit ihrem Wunsch nach einem neuen Standort abgeblitzt, warum also nicht Celle? Ich weiß, dass unsere Chancen 0,1 % betragen, aber warum es nicht versuchen? Sie sehen, wir sind aktiv“, so Nigge voller Elan.

„Warum die Telefunkenstraße gesperrt ist, weiß ich nicht“

Die Gäste brachten u.a. mit ihren Fragen zum Erhalt alter Bäume im Ortsteil, die Dauer von Baugenehmigungen und zur Änderung des Flächennutzungsplanes ihre Sorgen um den Ortsteil zum Ausdruck. Auf die Enttäuschung der im Bereich der Migration ehrenamtlich Tätigen BürgerInnen, die ihre Arbeit durch die Schließung der Räumlichkeiten, die sie bisher nutzen konnten, nicht mehr ausüben können, blieb der Oberbürgermeister die Antwort ebenso schuldig wie auf die gleich zwei Mal gestellte Frage nach einer Möglichkeit, die Telefunkenstraße wieder für den Durchgangsverkehr zu öffnen. Auf die Frage, warum diese überhaupt gesperrt sei, habe er bisher keine Antwort erhalten – aber das Thema stehe dennoch nicht auf seiner Agenda.

Aber auch mit Lob für die Verwaltungsmitarbeiter sparten die Anwesenden nicht. So fand insbesondere die Arbeit der Mitarbeiter des Grünflächenamtes viel Anerkennung. Am Ende des Abends dankte Ceyp dem Oberbürgermeister dafür, Rede und Antwort gestanden zu haben und den Anwesenden für ihre vielschichtigen Fragen. Das rege Interesse ermutige ihn, diese Reihe des direkten Gedankenaustausches im kommenden Jahr fortzusetzen.

Fotos: Peter Müller



Eine Antwort zu “„Warum nicht Google nach Celle holen?“ OB Nigge beim ersten CDU-Stadtteilgespräch”

  1. Jochen Barth sagt:

    Etwas verwundert habe ich mir bei diesem Artikel die Augen gerieben. „Er sparte erneut nicht mit der Kritik an der Berichterstattung „eines Online-Magazins“ – dieses Mal zur leidlichen Kreisel- und Fahrradständerthematik. Die wochenlangen Wiederholungen seien aus seiner Sicht . . . . nicht kompatibel gewesen. Dieses hätte seine ausführenden Mitarbeiter namentlich angeprangert, die deswegen nun wenig motiviert seien, sich weiter eigenständig zu engagieren. “
    Dr. Nigge verwechselt da wohl etwas zur Aufgabe der Presse. Im Nieders.Pressegesetz unter § 3
    Öffentliche Aufgabe der Presse steht: „Die Presse erfüllt eine öffentliche Aufgabe, wenn sie in Angelegenheiten von öffentlichem Interesse Nachrichten beschafft und verbreitet, Stellung nimmt, Kritik übt oder auf andere Weise an der Meinungsbildung mitwirkt.“
    Und wenn dann noch die Mitarbeiter in der Verwaltung wenig motiviert sind, sich weiter eigenständig zu engagieren, dann stimmt wohl in der „Unternehmenskultur“ etwas nicht. Daran ist die Presse wohl am wenigsten Schuld.
    Uns Bürgern reicht es schon, wenn die Verwaltung ihre Arbeit professionell und vollständig erledigt. Aber da habe nicht nur ich meine Zweifel.

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