Was ist aus dem Geothermie-Projekt Heese-Nord geworden?

Wirtschaft Von Redaktion | am Fr., 02.08.2019 - 19:29

CELLE. Im Jahr 2016 berichtete GeoEnergy Celle e.V. über ein vielversprechendes Projekt zur Tiefenerdwärmegewinnung am westlichen Stadtrand von Celle. Das Konzept sah vor, mit einer Tiefbohrung im Neustädter Holz Thermalwasser zu erschließen. Über ein zu bauendes Wärmenetz könnte der Stadtteil Heese-Nord mit Fernwärme versorgt werden. Die zu erwartende CO2-Einsparung dieser Sanierungsmaßnahme wäre bedeutend und ein großer Beitrag für die Umsetzung der städtischen Klimaschutzziele.

In einer Vorstudie wurden zwei tiefe Thermalwasser-Gesteinsschichten identifiziert, die sich an der vorgesehenen Bohrlokation in ca. 2800 m bzw. 1700 m unter der Erdoberfläche befinden. Ein Konsortium von acht Organisationen/Firmen unter Federführung der Stadt Celle beauftragte die Durchführung einer geologisch-technischen Machbarkeitsstudie. GeoEnergy Celle e.V. übernahm die Projektleitung und die treuhänderische Verwaltung der Projektmittel.

Der geologische Teil der Machbarkeitsstudie basiert auf der Auswertung von existierenden Bohrungs- und Seismik-Daten, die von Ölexplorationsfirmen käuflich erworben wurden. Im Ergebnis kommt die Studie zu dem Schluss, dass beide angepeilten Gesteinshorizonte grundsätzlich für eine Thermalwassergewinnung geeignet seien.

Für die Projektumsetzung müsste sich ein Investor finden. Eine unabdingbare Voraussetzung hierfür ist der Nachweis der wirtschaftlichen Machbarkeit sowie die Versicherung des Erfolgsrisikos. Die zwei Hauptrisiken jeder Thermalwassererschließung seien die Ergiebigkeit der Gesteinsschichten sowie die Temperaturhöhe des Thermalwassers. Allerdings reichten die verfügbaren Daten nicht aus, um eine akzeptable Projektrisikobewertung zu erreichen. Eine Versicherung des Erfolgsrisikos sei daher zurzeit unrealistisch und eine unmittelbare Umsetzung des Projektes daher zurzeit nicht machbar.

Die Studie habe jedoch viele wertvolle Erkenntnisse erbracht. Auf diese könne in der Zukunft aufgebaut werden, wenn sich die Bewertung der Risiken in eine positive Richtung verändern sollte. Hierzu könnten mehrere Faktoren beitragen:
- Risikokapital aus staatlichen Fördermitteln könnte eine fehlende Risikoversicherung ersetzen.
Neue Daten aus geplanten Tiefenerdwärmeprojekten im weiteren Umfeld von Celle sowie Daten aus geplanten Forschungsbohrungen in der Nähe von Celle könnten die Bewertung der Unsicherheiten erheblich verbessern.
- Neue Bohrverfahren könnten helfen, Kosten zu sparen und die Ergiebigkeit der Gesteinsschichten zu steigern.
- Eine Beschränkung der Thermalwassergewinnung auf den höheren Horizont mit niedrigeren Temperaturen und eine Verschiebung der Bohrungslokation nach Wietzenbruch oder Westercelle hätte deutlich bessere Erfolgsaussichten.

GeoEnergy Celle e.V. bleibe aktiv und werde weiterhin eng mit der Stadt Celle in Sachen Nutzung der Erdwärme zusammenarbeiten. Die im Raum Celle ansässigen Spezialfirmen böten die besten Voraussetzungen dafür. Vor allem die Politik müsste hinsichtlich der Nutzung von Tiefenerdwärme umdenken. Die Klimaschutzziele seien ohne eine Wärmewende nicht zu erreichen. Die Nutzung von Tiefenerdwärme könnte hierbei einen wesentlichen Beitrag liefern. Es ist eine alternative Energieform, die bei einer Anschubförderung die gleichen Chancen verdiene wie Windparks, Fotovoltaik, Biogas und Energiespeicher.

Zahlreiche Nachbarländer machten es uns vor. Dort gebe es staatliche Risikoabsicherungen oder Anschubfinanzierungen, die dazu führen, dass die Tiefenerdwärmegewinnung boomt und damit einen aktiven Beitrag zum Klimaschutz und zur Energiewende leistet. Seit Jahrzehnten hat die heimische Industrie Erdöl- und Erdgasvorkommen erschlossen und in respektablen Mengen gefördert. Die Förderabgaben spülten dem Land Niedersachsen in der Vergangenheit jährlich mehr als eine Milliarde Euro in die Kassen. Auch heute, bei verminderten Fördermengen und niedrigen Ölpreisen, seien es noch über 260 Millionen Euro pro Jahr. Eine Anschubunterstützung für die Tiefenwärmegewinnung in Norddeutschland aus diesem Topf wäre angebracht.