WATHLINGEN. Ja, Kalimandscharo, so nennen viele Wathlinger die Kaliabraumhalde, die im Sonnenlicht weit über Wathlingen hinaus weiß leuchtend zu sehen ist. Nach der Schließung des Bergwerkes Niedersachsen-Riedel im Jahr 1996 gab es einen jahrelangen Stillstand. Erst im Dezember des vergangen Jahres kam wieder Bewegung in die Sache. Ob dies nun als positiv oder negativ zu bezeichnen ist, darüber streiten sich die Geister. Tatsache ist, dass der Kali und Salz (K + S)-Konzern ein Planfeststellungsverfahren zur Begrünung der Kaliabraumhalde beantragt hat und die anliegenden Gemeinden vom Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) zu Stellungnahmen aufgefordert worden sind. Neben Wathlingen sind auch Nienhagen, Hänigsen, Uetze und Burgdorf betroffen.

Einig sind sich alle Akteure – die Bürgermeister der Gemeinden und die Bürgerinitiativen – vor allem darin, dass unbedingt etwas gegen die zunehmende Versalzung des Grundwassers unternommen werden muss. Für die Bereiche Burgdorf, Uetze und Hänigsen steht die damit verbundene Belastung durch LKW-Verkehre von mindestens 200 Fahrten pro Tag besonders im Fokus der Kritik.

Die Wathlinger Bürgerinitiative würde es am liebsten sehen, wenn so viel wie nur irgend möglich von der Halde wieder unter Tage verbracht werden würde. Das Wissen der älteren Bürgerinnen und Bürger, dass die Halde nach dem 2. Weltkrieg der Gemeinde als Müllkippe diente, lässt viele nur mit Unbehagen an eine wie auch immer geartete Nachnutzung denken.

Der Wathlinger Bürgermeister und die Ratsmitglieder stellen sich vor allem die Frage: „Wäre mit einer Abdeckung der Halde wirklich der Versalzung des Grundwassers entgegenzuwirken oder steht der Berg vielleicht schon mit den Füßen im Grundwasser?“ Wäre dies der Fall, sei eine Begrünung eine völlig vergebliche Maßnahme, so die einhellige Meinung. Darüber hinaus wären die Bürgerinnen und Bürger der Gemeinde Wathlingen nach der derzeitigen Planung erheblichen Lärm- und Staubemissionen ausgesetzt, was so auf gar keinen Fall hingenommen werden könne. Die vorgelegten Unterlagen ließen viele Fragen offen.

Insbesondere der Rat der Gemeinde Wathlingen habe sich intensiv mit den vorgelegten Unterlagen befasst und sich fachlicher Unterstützung von Geologen und einer Verwaltungsfachanwältin bedient, um gegenüber dem LBEG eine fundierte Stellungnahme abgeben zu können und ungeklärte Problemstellungen aufzuzeigen, erläutert Bürgermeister Harms im Gespräch mit CelleHeute. „Der Mensch und die Wohnqualität in der Gemeinde stehen für mich absolut im Vordergrund aller Entscheidungen. Ich werde mich nach Kräften dafür einsetzen, dass diese Ziele erreicht werden – welche Maßnahmen auch auf uns zukommen werden, denn ‚Herr des Verfahrens‘ ist leider der Grundstückseigentümer, also der Kali und Salz Konzern und im Planfeststellungsverfahren auch das LBEG,“ stellt Harms klar und ergänzt, “würde man gar nichts machen, ist der Berg in 2000 Jahren auch Geschichte, aber wie kann dann unser Grundwasser geschützt werden? Es führt kein Weg drum herum, insbesondere mit Blick auf die nachfolgenden Generationen muss eine für alle verträgliche Lösung gefunden werden.“

Seitens des Konzerns wird zur Frage, ob und welche Erfahrungen es an anderen Standorten bereits gäbe, über den Pressesprecher wie folgt Stellung genommen: „K+S hat in mehr als zwei Jahrzehnten umfangreiche Erfahrungen bei der Abdeckung und Begrünung von Rückstandshalden gesammelt. Konkret werden zwei Projekte (Halde Friedrichshall/Sehnde und Halde Sigmundshall/Wunstorf) betrieben. Die Haldenabdeckung der Rückstandshalde in Wathlingen soll nach demselben Betriebskonzept wie in Sehnde durchgeführt werden. Dort wird die Halde in 3-4 Jahren vollständig abgedeckt sein.“

Auf die Frage von CelleHeute, ob das Gelände nach Abschluss der Abdeckung/Begrünung für die Öffentlichkeit zugänglich wäre, antwortet K +S: „Aus heutiger Sicht wird das voraussichtlich zumindest teilweise der Fall sein. Die Nachnutzungskonzepte zielen bei den bestehenden Projekten darauf ab, einen Rückzugsraum für Tiere und Pflanzen zu schaffen, der die lokale Biodiversität fördert. Gleichzeitig sollen bestimmte Bereiche der sogenannten „stillen Erholung“ gewidmet werden. In Sehnde wurden bisher gute Erfahrungen mit den Haldenfesten anlässlich des „Tages der Region“ gemacht.“

Bezüglich der Frage, ob der Konzern den Ängsten der Bürger vor Staubbelastung und Gesundheitsgefährdung etwas entgegenzusetzen habe, heißt es: „Die für die Abdeckung vorgesehenen Materialien sowie die Gestaltung des Betriebsverfahrens schließen aus, dass von der Haldenabdeckung bzw. dem Betrieb der Baustoff-Recyclinganlage eine Gefährdung für die Bürgerinnen und Bürger ausgeht. Dies ist im Antragsverfahren durch umfangreiche gutachterliche Prüfungen nachgewiesen worden und wird auch im späteren Betrieb laufend behördlich überwacht.“

Zur Nachfrage, ob es einen „Plan B“ gegen die Versalzung des Grundwassers gäbe, falls die Haldenabdeckung/-begrünung nicht genehmigt werde, erläutert der Pressesprecher: „Wir sind sicher, dass das von uns beantragte Verfahren der beste Weg ist, langfristig die Entstehung hoch mineralisierter Niederschlagswässer an der Halde zu vermeiden und dass unserem Vorhaben keine genehmigungsrechtlichen Gründe entgegenstehen. Sollte das Projekt dennoch nicht in dem von uns vorgesehenen Zeitraum realisiert werden können, so werden die weiterhin entstehenden salzhaltigen Niederschlagswässer im Rahmen der geltenden Genehmigungen (u.a. durch Einleitung in stillgelegte Bergwerke) entsorgt. Dabei wird – wie bisher bereits – dem Schutz des Grundwassers größte Priorität eingeräumt.“

Letztendlich bleibt die Feststellung, dass die Frage – „Was wird aus dem Kalimandscharo?“ derzeit wohl von Niemandem konkret beantwortet werden kann. Wie sähen die Alternativen aus? Industriebrache, vor sich hin rottende Halde, Naturschutzgebiet, attraktives Ausflugsziel? Zum jetzigen Zeitpunkt des Planfeststellungsverfahrens ist noch alles offen. Ein Großteil wird von den Stellungnahmen und Einwänden der Gemeinden abhängen und davon, wie diese vom LBEG bewertet werden. In einem weiteren Schritt könnte es zu langjährigen Klageverfahren kommen, deren Ausgang niemand vorherzusagen vermag.

Foto: Monika Wille

 

 

 

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