CELLE. Anlässlich der bundesweiten Aktionswoche der Schuldnerberatung vom 4. bis 8. Juni, informiert auch die Schuldnerberatung Lüneburger Heide e.V. in Celle über die Aufgaben der Schuldnerberatung. „Damit Menschen aus den Schulden herauskommen, ist ein Bündel von Maßnahmen notwendig. Neben der persönlichen Anstrengung des Schuldners ist auch der Staat gefordert“, sagt Annett Postel, Schuldner- und Insolvenzberaterin beim Verein Schuldnerberatung Lüneburger Heide e.V..

Einerseits wachse die Wirtschaft, die Arbeitslosenzahlen seien niedrig und die Kaufkraft steige. Dem gegenüber stehe aber eine stetig anwachsende Zahl von Menschen, die von dieser wirtschaftlichen Entwicklung nicht profitierten. „Zudem hat sich ein alarmierender Trend verfestigt: Die Überschuldung von Privatpersonen in Deutschland ist seit 2014 zum vierten Mal in Folge angestiegen. In Deutschland sind mehr als 6,9 Millionen Menschen überschuldet oder haben nachhaltige Zahlungsprobleme“, so Postel. Diese Probleme beträfen Menschen unabhängig von ihrem Einkommen. Neben finanziellen Schwierigkeiten seien oft auch soziale Probleme für diese Menschen die Folge.

Hier setze die Schuldnerberatung an: „Sie hilft ver- und überschuldeten Menschen dabei, ihre sozialen und finanziellen Probleme in den Griff zu bekommen, damit sie wieder Perspektiven sehen. Die Beratung trägt dazu bei, dass überschuldete Menschen wieder das Heft des Handelns in die Hand bekommen, was ihre wirtschaftlichen Verhältnisse angeht. Sie bekommen wieder die Chance, am wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Leben teilzuhaben“, erläutert Annett Postel.

Die Ursachen von Überschuldung sind laut der Schuldnerberaterin sehr vielseitig und jeder könne durch Krankheit, Arbeitsplatzverlust oder Trennung/ Scheidung in Zahlungsschwierigkeiten geraten. Häufig versuchten Betroffene zu lange allein, alles „regeln“ zu wollen und schlössen Finanzierungen ab, oder liehen sich von nahe stehenden Personen Geld.

Die Wege, mit Schulden umzugehen, könnten sehr verschieden sein und hingen mit der jeweiligen persönlichen Situation der Ratsuchenden zusammen. Manchmal gehe es darum, einen Weg mit den Schulden zu gehen und es sei wichtig, über mögliche Vollstreckungsmaßnahmen zu beraten. Ein anderer Weg könne eine Vergleichszahlung sein, die dann zum Tragen kommen kann, wenn der Ratsuchende oder eine nahe stehende Person Zahlungen leisten kann. Der dritte Weg, die Schulden zu regeln, könne eine Verbraucherinsolvenz sein. Eine Verbraucherinsolvenz sei nur sinnvoll, wenn die Verschuldungssumme sehr hoch ist und eine außergerichtliche Einigung gescheitert ist.

Auch Gläubiger, sagt Annett Postel, profitieren von der Schuldnerberatung, weil diese zwischen Gläubigern und Schuldnern vermittelt. Und auch für die öffentlichen Haushalte rechne sich das Angebot. „Verschuldete Menschen, die ihre Situation im Griff haben, haben verbesserte Berufsaussichten. Das senkt Sozialausgaben. Zugleich steigen Steuern und die Einnahmen der Sozialkassen“, sagt Annett Postel.

Diese positiven Effekte würden insbesondere dann erzielt, wenn alle Überschuldete einen ausreichenden Zugang zur Schuldnerberatung hätten, unabhängig von ihrem Einkommensstatus. „Wir fordern daher einen Rechtsanspruch auf Schuldnerberatung“, sagt Postel. Doch das allein reicht nach Auffassung der Schuldnerberatung Lüneburger Heide noch nicht aus. Schuldnerberatung müsse bedarfsgerecht ausgebaut werden. Es müsse weitere, gemeinnützige Schuldner- und Insolvenzberatungsstellen geben, damit der Bedarf im ländlichen Raum gedeckt, lange Wartezeiten vermieden und die Prävention ausgebaut werden könne. Zudem müsse für die Beratungsstellen eine angemessene personelle und materielle Ausstattung gewährleistet werden. Hier seien das Land und der Landkreis gefragt, bedarfsgerechte Beratungsangebote vorzuhalten und entsprechend zu finanzieren.

Ratsuchende können sich an die Schuldnerberatung Lüneburger Heide e.V., Markt 9 unter 05141 70 90 380 wenden und einen Beratungstermin vereinbaren. Ebenso unter www.sblh.de.

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