CELLE. Die globalen Herausforderungen der Gegenwart und Zukunft waren gestern Thema des Vortrags des Berliner Journalisten und Autors Fabian Scheidler an der Volkshochschule Celle. Vor etwa 40 Teilnehmenden entwickelte der Autor die Thesen seines aktuellen Buches „Chaos. Das neue Zeitalter der Revolutionen“.

Scheidler skizzierte die Krise des Lebens auf der Erde – Klimakatastrophe und Artensterben, die zunehmende Spaltung zwischen Arm und Reich, die Ursachen von Flucht und das geopolitische Chaos, das mit dem Niedergang der US-Hegemonie und dem Aufstieg Chinas verbunden ist. Eine besondere Rolle spielt dabei u.a. das, was Fabian Scheidler „Tributökonomie“ nennt: Reichtum und Privilegien würden zunehmend nicht durch Markterfolge gesichert, sondern durch staatliche Subventionen, etwa im Bankensektor (Bankenrettungen) oder in der Auto- und Flugzeugbranche. Die ökologisch destruktivsten Branchen würden mit Billionen von Dollar und Euro gefördert. Hinzu kämen leistungslose Einkommen aus Eigentumsrechten, etwa im Immobiliensektor. Eine Durchbrechung dieser „Tributökonomie“ und der Verquickung von Staat und Großkapital ist Scheidler zufolge deshalb eine entscheidende Voraussetzung für die notwendige sozial-ökologische Transformation.

Es stelle sich jetzt die Frage, ob sich autoritäre Kräfte durchsetzen würden oder soziale und ökologische Bewegungen die systemischen Risse nutzen können, um eine gerechtere und friedlichere Welt aufzubauen. Scheidler mahnte eine Abkehr vom Profit- und eine Hinwendung zum Gemeinwohlprinzip an. Gemeinwohl bedeute, dass der Zweck von Unternehmen nicht, wie etwa bei einer Aktiengesellschaft, darin besteht, angelegtes Kapital zu vermehren, sondern bedarfsorientiert Güter und Dienstleistungen bereitzustellen und für die Mitarbeiter gute Arbeitsbedingungen zu schaffen.

An einer Reihe von kleinen wie großen Beispielen, etwa dem Aufbau von Netzwerken solidarischer Ökonomie oder Genossenschaftsgründungen im Energiesektor, versuchte der Referent Schritte in dieser Richtung aufzuzeigen. Entscheidend ist aus seiner Sicht die Versorgung mit den lebensnotwendigen Gütern wie Wohnen, Essen, Gesundheit, Wasser, Bildung, Energie, Kommunikation, Kultur langfristig aus der Profitlogik und dem Markt herauszulösen und neu zu organisieren. Durch viele Beiträge der Teilnehmenden wurden die Fragestellungen vertieft und auch gemeinsam nach Antworten auf die vielfältigen Krisen gesucht.

Text: Reinhard Rohde



Sie müssen sich registrieren oder anmelden, um diesen Beitrag zu kommentieren.