CELLE. Dass die Stadtkantorei in der Vorweihnachtszeit ein Oratorium zur Aufführung bringt, zählt seit vielen Jahren zur Tradition in Celle. An ein Experiment ganz außergewöhnlicher Art wagte sich Stephan Doormann, der erst seit Anfang des Jahres als Chorleiter für die Kantorei tätig ist, an diesem Wochenende heran. Gemeinsam mit 70 Sängerinnen und Sängern der Stadtkantorei, 80 vom Juventis Jugendchor und etwa 40 vom Juventis-Vorchor des KAV-Gymnasiums sowie den Solisten Anna Nesyba (Sopran), Ivonne Fuchs (Alt), Immo Schröder (Tenor) und Hans Christian Hinz (Bass) wurden alle sechs Kantanten zur Aufführung in der Stadtkirche gebracht.

Musikalisch erstklassig unterstützt durch das Barockensemble „la festa musicale“ ziehen die frischen jugendlichen Sopranstimmen die Zuhörer gleich zu Beginn mit ihrem „Jauchzet, frohlocket“ der I. Kantate in den Bann. Beim Schlusschoral „Ach mein herzliebes Jesulein“ kommen mit dem Vorchor des Jugendchores auch die jüngsten Sängerinnen und Sänger mit zum Einsatz. Der Wechsel der Chöre zwischen den einzelnen Kantaten erfolgt reibungslos und so tragen in der II. Kantate die gut geschulten und erfahrenen Stimmen der Stadtkantorei die Atmosphäre. In Kantate III sind es wiederum die jugendlichen Sängerinnen und Sänger, denen es spielend gelingt, ihre Freude am Gesang dem Publikum sicht- und hörbar werden zu lassen. Den Höhepunkt dieser Kantate bildet der Choral „Herrscher des Himmels, erhöre das Lallen…“, der von allen Sängerinnen und Sängern gemeinsam vorgetragen wird und mit dessen Nachhall es in die Pause geht.

Die Kantate IV wird von der Kantorei in der bewährten, gesanglich sehr guten Qualität vorgetragen. Wie schon im ersten Teil werden für die folgenden Kantaten V und VI jeweils wieder die vortragenden Chöre gewechselt. Für die Zuhörer ist es faszinierend zu erleben, wie es diesen beiden Chöre, die unterschiedlicher kaum sein könnten, gelingt, ihre Begeisterung für den Gesang dem Publikum mit auf den Weg zu geben. Nicht zu vergessen die Solisten, wobei es insbesondere Ivonne Fuchs gelingt, mit ihrer angenehmen Altstimmlage den Spannungsbogen auf die Zuhörer zu übertragen.

Karten für die Aufführung dieses besonderen Ohrenschmauses sind für heute, 10.12.17, um 15.00 Uhr noch an der Tageskasse zu erhalten.

 

2 Antworten zu “Weihnachtsoratorium mit der Stadtkantorei Celle”

  1. Daniel Kunert sagt:

    Natürlich ist es schön, dass das Bach’sche Weihnachtsoratorium komplett erklingt und auch viele junge Leute mitmachen. Aber sehr bedauernswert ist es m.E., dass die eigene Jugendkantorei der Stadtkirche nicht involviert war. Die Jugend der Gemeinde so vor den Kopf zu stoßen, ist traurig und einer weihnachtlichen Aufführung unwürdig. Ob Bach sich da gefreut hätte?

  2. klaus-martin meyke sagt:

    Dem Verfasser dieser Zeilen ist sicher bekannt, dass die „Singschule“ immer wieder an Aufführungen der Stadtkantorei oder bei einer eigenständigen Aufführung ohne Kantorei beteiligt gewesen ist.
    Die Aufführung des Weihnachtsoratoriums im vergangenen Dezember, bei der ein Wechsel von jugendlichen Stimmen und etablierter Kantorei das Leitprinzip war, konnte mit der „Singschule“ zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht umgesetzt werden. Die Leitung der Kinder- und Jugendkantorei wechselte zur Jahresmitte 2017. So konnten die Sängerinnen und Sänger der Jugendkantorei in der konkreten Situation eine Mitwirkung aus verständlichen Gründen nicht leisten. Ob die Gemeinde sich dadurch vor den Kopf gestoßen fühlte, kann ich nicht beurteilen. Rückmeldungen dieser Art haben mich jedenfalls nicht erreicht. Für kommende Projekte ist eine Zusammenarbeit von Kinder- und Jugendkantorei sowie Erwachsenenchor, wie auch in der Vergangenheit, vorgesehen. Eine Nachfrage seitens des Verfassers des Leserbriefes bei der Kantoreileitung hätte ihm diese Informationen zugänglich gemacht. Schade, dass das vorab nicht geschehen ist.
    Wie weit sich Bach offen gezeigt hätte für neue Konzepte, ist Spekulation.
    Klaus-Martin Meyke, Vorsitzender der Celler Stadtkantorei

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