Der ADAC schickt Vertreter in Fahrschulen, um Jugendliche im vertrauten Fahrschulumfeld als Neukunden zu gewinnen und nutzt dafür auch unzulässige Werbemethoden. Das berichtet die Stiftung Warentest auf test.de. Rund 100 000 „Young-Generation-Verträge“ vertreibe er ADAC pro Jahr.

Der Stiftung Warentest sind zwei Anwerbevarianten bekannt: Eine Agentur oder ein Mitarbeiter im Auftrag des ADAC halten eine „Infoveranstaltung“ ab – vor oder im Anschluss an den Fahrschulunterricht.
Ein ADAC-Mittelsmann übernimmt eine komplette Fahrtheoriestunde. Fahrschüler werden jeweils dazu angehalten, direkt vor Ort Mitgliedsanträge zu unterschreiben. Die zweite Methode ist besonders kritisch, da in Fahrschulen nur Fahrlehrer unterrichten dürfen.

Die Jugendlichen in Fahrschulen seien oft jünger als 18. Schließen Minderjährige einen Vertrag ab, müssen die Eltern in der Regel vorher einwilligen oder danach zustimmen. Der ADAC argumentiert, dass dies nicht gelte, da das erste Jahr nichts koste, die Clubleistungen aber trotzdem voll nutzbar seien.

Der ADAC habe in der Vergangenheit laut der Stiftung Warentest immer wieder Negativ-Schlagzeilen gemacht, weil er Minderjährige mit fragwürdigen Briefen und Formulierungen Mitgliedschaften unterjubelt. Die Verbraucherzentrale Hamburg habe den ADAC dafür abgemahnt. Die Stiftung Warentest empfiehlt, später fällige Rechnungen nicht zu bezahlen. Wenn ein Kind den Vertrag minderjährig einging, ist er schwebend unwirksam. Erst durch eine Beitragszahlung würde er wirksam werden. Auch wer bei der Unterschrift bereits volljährig war, kann die Post vom ADAC ignorieren. Nur durch Zahlung käme ein Folgevertrag zustande.

Auf Nachfrage von CELLEHEUTE erklärt der ADAC, unzensiert und unkommentiert:

„Das Angebot einer kostenfreien Mitgliedschaft im ADAC und eines kostenlosen Fahrsicherheitstrainings für Führerscheinneulinge geht zurück auf die Tatsache, dass Führerscheinneulinge deutlich häufiger an Verkehrsunfällen beteiligt sind als erfahrenere Verkehrsteilnehmer. Wie Sie sicherlich wissen ist es eines der Ziele im Rahmen der ADAC Verkehrssicherheitsarbeit, die Verkehrssicherheit für alle Zielgruppen, insb. aber junger Menschen und Führerscheinneulinge zu erhöhen.

Für den Vertrieb in Fahrschulen werden weder Mitarbeiter der ADAC Regionalclubs noch Mitarbeiter des ADAC e.V. eingesetzt. Das übernehmen externe Agenturen, die im Auftrag des ADAC vor- oder nach dem Fahrschulunterricht Informationen geben. In jedem Fall sind diese Informationen nicht Teil des Unterrichts, der von Fahrschullehrern abzuhalten ist. Grundsätzlich legt der ADAC großen Wert auf seriöses Auftreten. Damit die Jugendlichen korrekt über den ADAC und seine Leistungen und Vorteile informiert werden, erhalten die für uns tätigen Handelsvertreter spezielle Verhaltens- und Produktschulungen sowie einen Verhaltenskodex.

Wie Sie ebenfalls sicherlich wissen, dürfen in Deutschland sog. „beschränkt Geschäftsfähige“ ohne Einwilligung eines gesetzlichen Vertreters wirksam ein Rechtsgeschäft abschließen. Dies findet täglich millionenfach statt und gehört zur Lebensrealität in Deutschland. Rechtlich besteht lediglich die Voraussetzung, dass das Geschäft für den Minderjährigen vorteilhaft sein muss (§ 107 BGB). Für Führerscheinneulinge ist die ADAC Mitgliedschaft im ersten Jahr beitragsfrei und es können alle Clubleistungen in Anspruch genommen werden, die auch mit der „klassischen“ ADAC Mitgliedschaft verbunden sind. Insoweit ist die ADAC Mitgliedschaft für Führerscheinneulinge aus unserer Sicht vorteilhaft.

Da Jugendliche in der Fahrschule grundsätzlich alleine anzutreffen sind, wird ihnen erst einmal die beitragsfreie Mitgliedschaft angeboten. Später wird in einem separaten Schreiben auf die Möglichkeit einer Integration in die Familien-Mitgliedschaft hingewiesen. Jeder, der in der Fahrschule beitragsfrei Mitglied wird, hat das Recht binnen 14 Tagen ohne Angabe von Gründen die Mitgliedschaft zu widerrufen. Jeder kann den Antrag auch mit nach Hause nehmen und dort besprechen. Sollte es einmal zu einem Missverständnis bei Abschluss kommen, werden die jungen Erwachsenen kulant behandelt. Viele Führerscheinneulinge sind mit dem Angebot und den Leistungen des ADAC, gerade das Fahrsicherheitstraining, sehr zufrieden. Aus diesem Grund bleiben diese Mitglieder auch als Erwachsene dem ADAC oft Jahrzehnte lang treu.

Die Verbraucherzentrale Hamburg hat ggü. dem ADAC beanstandet, dass Volljährigen (in der Regel sind diese bereits 19 Jahre alt) nach Ablauf des ersten Jahres der rein rechtlich vorteilhaften beitragsfreien Mitgliedschaft eine Beitragsrechnung zugesandt wurde, ohne hierbei transparent darauf hinzuweisen, dass erst durch Zahlung der Rechnung ein wirksamer Vertrag im Hinblick auf die beitragspflichtige Mitgliedschaft abgeschlossen wird. Die Verbraucherzentrale hatte vorgeschlagen die Rechnung deutlich als Angebotsrechnung zu kennzeichnen, so dass klar wird, dass bei Nichtzahlung ein Vertrag nicht besteht. Hierauf hat der ADAC die beitragsfreie Mitgliedschaft umgestellt auf eine sog. „Ablaufmitgliedschaft“. Zahlt der Volljährige nicht auf die Angebotsrechnung, so endet seine Mitgliedschaft mit Ablauf des beitragsfreien Jahres. Dieses Verfahren wurde mit der Verbraucherzentrale Hamburg konkret abgestimmt.“

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