Theaterwerkstätten im Industriedesign – Halle 18 mit viel Prominenz eröffnet

Theater Von Anke Schlicht | am Do., 27.08.2020 - 19:13

CELLE. Wo einst Panzer in zugiger Umgebung ihr Dasein fristeten, wird nun ohne den Verlust auch nur eines Quäntchens Energie für die Theaterkunst gewerkelt, gelagert und drapiert. „Das war hier ganz einfaches Kasernengelände, alles völlig ungedämmt, und in den 70er Jahren hat man auch noch Asbestplatten eingebaut, um das Wetter zurückzuhalten“, berichtet Frank Simon vom Celler Architekturbüro Simon & Simon anlässlich der offiziellen Übergabe der rundum modernisierten Halle 18 am Donnerstag den zahlreichen Gästen, darunter Oberbürgermeister Jörg Nigge und Landrat Klaus Wiswe.

Geläufig ist den Theaterbesuchern lediglich das Nachbargebäude mit der Nummer 19, hier wird geprobt und finden Aufführungen statt. Doch ohne die Umtriebigkeit im bislang etwas unscheinbaren angrenzenden Quartier würde es so weit nie kommen. „Die Kreativität hier ist für ein Theater essentiell wichtig, und die Voraussetzungen dafür sind durch die Sanierung geschaffen worden“, hebt der niedersächsische Minister für Wissenschaft und Kultur, Björn Thümler, in seiner Ansprache die Bedeutung von Werkstattarbeit für die Kunst hervor. Die Halle 18 beherbergt den Kostümfundus sowie mit der Tischlerei, Schlosserei, Polsterei und dem Malersaal klassisches Handwerk, das künftig jedoch von Industriedesign umgeben sein wird. Denn diese Gestaltungsform haben die Architekten für die äußere Hülle gewählt: „Sehr sparsam, sehr einfach, mit geringen Mitteln“, erläutert Simon die graue Fassaden-Stahlkonstruktion und das rote Blechdach. Die Kosten waren ursprünglich auf 750.000 Euro veranschlagt worden, erhöhten sich dann aber auf rund eine Million. Stadt und Landkreis beteiligten sich mit jeweils 110.000 Euro, das Land Niedersachsen brachte sich in Form von Mitteln aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) mit 375.000 Euro ein. Ganz ohne Selbstbeteiligung des Theaters ging es nicht. Doch der Architekt macht während seiner Präsentation der ausgeführten Arbeiten, die sämtlich bei laufendem Betrieb innerhalb von 13 Monaten vorgenommen wurden, darauf aufmerksam, dass „85 Prozent der Ausgaben wieder in Stadt und Landkreis zurückgeflossen sind“, denn die Bauleitung beteiligte sieben hiesige Firmen an dem Projekt, das lange überfällig war.

„Die Mitarbeiter haben zu Recht über die Verhältnisse in der Halle geklagt“, hob der Vorsitzende des Theatervereins, Thomas Knoke, hervor. Das Gebäude war so undicht, dass es nicht nur durch alle Ritzen zog, sondern sogar Regenwasser durch das Dach eindrang. Auch aufgrund der Dringlichkeit der Ertüchtigung zeigten sich die Verantwortlichen des Schlosstheaters überaus dankbar für jede Form von Hilfestellung, so hatte sich die SVO sofort bereit erklärt, Betriebsgelände in der Hafenstraße zur Verfügung zu stellen für Auslagerungen, während die Sparkassen-Regionalstiftung mit Finanzmitteln unterstützte.

Wer meint, die investierte Million komme ausschließlich Kulturschaffenden und -interessierten zugute, irrt. Architekt Simon hebt einen weiteren brandaktuellen Aspekt hervor: „Durch die Sanierung werden rund 150 Tonnen CO2 eingespart.“