„Das ist ein ziemlich großer Wurf“ – Westkreis erhält mit dem Hölty ein Gymnasium

Politik Von Anke Schlicht | am Do., 16.01.2020 - 09:51

CELLE. Für die einen war es die Quadratur des Kreises, ein großer Tag für den Westkreis oder die Vollendung der gymnasialen Landschaft, für die anderen fehlte eine solide Planungsgrundlage, eine Elternbefragung oder die ganzheitliche Betrachtung. Doch am Ende der gestrigen Sitzung des Schulausschusses im Kreistag waren sich die Mitglieder mit einer Ausnahme alle einig und stimmten für den Umzug des Hölty-Gymnasiums von Celle nach Hambühren. Anatoli Trenkenschu von der AfD enthielt sich.

Im August 2020 mit Beginn des neuen Schuljahres wird eine zeitlich befristete Außenstelle des Hölty in dem früheren Gebäude der Haupt- und Realschule in Ovelgönne an den Start gehen, sukzessive zieht das Gymnasium um, kein Kind oder Jugendlicher muss wechseln und sich an eine neue Umgebung gewöhnen, denn die Jahrgänge laufen aus. „Es geht hier nicht um eine Außenstelle, es geht um einen neuen, dauerhaften Standort“, machte Landrat Klaus Wiswe noch einmal mit Nachdruck deutlich, als der Vertreter der WG Dr. Albrecht Hoppenstedt am Ende der Diskussion in seinem Antrag auf eine thematisch dreigeteilte Abstimmung den Begriff Außenstelle verwendete. Wiswe hatte zu diesem Zeitpunkt seine Ausgeglichenheit, mit der er eingangs die Sachlage und vor allem die Vorzüge der Neuerung skizziert hatte, bereits eingebüßt. „Es kommen nur undefinierte Forderungen, keine Fragen“, zeigte er sich mit dem Verlauf der Aussprache im Ausschuss unzufrieden.

Die Vorlage der Verwaltung machte deutlich, dass der Umzug zahlreiche Probleme im Bereich Schule lösen würde, so z.B. die große Raumnot der Oberschule Heese, die nach und nach den frei werdenden Platz im Nachbargebäude nutzen würde. „Wir haben versucht, alle Erkenntnisse, die es im Moment gibt, darzulegen; Schülerströme in fünf Jahren kann ich nicht vorhersehen“, kommentierte er die Kritik der AfD und der WG, es fehle die ganzheitliche Betrachtung, und es gebe keine solide Planungsgrundlage. 

Die Berichte der Mitglieder über die fraktionsinternen Gespräche offenbarten, dass die Parteien sich die Entscheidung nicht leicht gemacht und teilweise kein einheitliches Votum erzielt hatten: „Wir wollten eine Elternbefragung, der Kollege aus Winsen hatte einen anderen Ansatz, und wir plädieren dafür, keinen Schulbezirk einzurichten, die Eltern sollen frei wählen können“, fasste Marlies Petersen von den Grünen die Meinung ihrer Parteifreunde zusammen. Es gebe durchaus gute Gründe für die Standorte Winsen und Hambühren, „wir werden nicht einheitlich abstimmen“, berichtete Mathias Pauls von der SPD über die Meinung seiner Fraktion. Hauptargument für das letztendlich befürwortende Votum sei jedoch die Zeitspanne von ca. fünf Jahren, die durch den Verzicht auf einen Neubau gespart würde.

Mit dem Satz, „Ich würde nicht sagen, dass eine Gemeinde Kirchturmpolitik betreibt, wenn sie sich für die Ansiedlung eines Gymnasiums starkmacht, sondern Interessen vertritt“, entgegnete Pauls Hubertus Bühmann von der CDU, der sich als Erster zu Wort gemeldet hatte, um den von der Gesamtkonferenz des Hölty mehrheitlich favorisierten Umzug nach Hambühren-Ovelgönne als Vollendung der Celler Gymnasiallandschaft zu beschreiben und die Forderung eines C02-neutralen Plus-Energie-Neubaus in Winsen als Kirchturmpolitik abzutun, bevor er Sachargumente wie die Verkürzung der Fahrzeiten und Schulwege und möglichen Zuwachs an Bildung ansprach.

Auch in Lachendorf sei die Gymnasialquote aufgrund der Schulform vor Ort gestiegen. Zudem ginge jeder zweite Schüler aus dem Westkreis ohnehin schon aufs Hölty. Dessen Gesamtkonferenz hatte sich im Interesse der Planungssicherheit für die Ausweisung eines Schulbezirks ausgesprochen. Diesem Wunsch entsprach der Ausschuss für Schule und Kultur. Die Schulbezirkssatzug für den Landkreis wird geändert. Der Forderung der SPD, Wolthausen und Stedden herauszunehmen, so dass diese sich entscheiden können zwischen Celle und Ovelgönne, folgte das Gremium ebenfalls. „Wer aus guten Gründen, z.B. der Neigung zur Musik, ein bestimmtes Gymnasium besuchen will, kann das tun, aber die Regel wird dieses nicht sein“, stellte der Landrat im Hinblick auf den neuen Schulbezirk klar. Lob und Dank wurde Klaus Wiswe und der Verwaltung von seiner Parteikollegin, Susanne Führer, zuteil: „Es ist eine Quadratur des Kreises gelungen“, sagte sie. Der Landrat selber griff nicht ganz so hoch, brachte aber dennoch seine große Zufriedenheit mit dem Umzug des Hölty in den Westkreis zum Ausdruck, indem er formulierte: „Das ist ein ziemlich großer Wurf“.