CELLE. Enttäuscht zeigte sich WG-Ratsherr Torsten Schoeps in der vergangenen Ratssitzung. Auch wenn es faktisch korrekt sei, dass „die Stadt nicht zuständig ist“, sondern der Bund – könne sie laut Schoeps sehr wohl Alternativen planen, was sie allerdings nach seiner Auffassung unterlässt. In seiner Rede erklärte er, ungekürzt und unkommentiert:

„Die Wählergemeinschaft Celle hat beantragt, dass sich die Stadt Celle weitergehend in die Fortführung der Ortsumgehung Celle einbringt. Hierzu sollten Gespräche mit der niedersächsischen Landesstraßenbaubehörde, der niedersächsischen Landesregierung und dem BUND aufgenommen werden, um auf eine zeitnahe Alternativplanung für die Ortsumgehung hinzuwirken. Diesem Ansinnen will sich die Verwaltung verschließen. Im Beschlussvorschlag ist zu lesen, dass die Verwaltung und die Niedersächsische Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr keine Veranlassung sehen, in eine Alternativplanung einzusteigen. Soll aus dieser Formulierung geschlossen werden, dass die Stadt Celle tatsächlich schon ein Gespräch mit der Landesbehörde geführt hat? Dies ist hier nicht bekannt. Auch verwundert es sehr, dass kein Alternativplanungsbedarf gesehen wird.

Was machen die Planungsbehörde und die Stadt wenn, wie zu erwarten, vom Gericht weitere Alternativlösungen gefordert werden. Welche Vorschläge hätten die dann wieder Geforderten anzubieten? Warum soll sich erst dann mit diesem Gedanken auseinandergesetzt werden, zumal ohnehin ein neues Planungsverfahren notwendig werden wird? Anscheinend streben sowohl die Stadt Celle als auch die Landesbehörde weitere jahrelange Planungsverfahren aufgrund veralteter Überlegungen an ohne die neueren Erkenntnisse aus u.a. den gerichtlichen Verfahren einbinden zu wollen. Die planende Behörde ist regelmäßig in der Pflicht, planerische Alternativen zu erarbeiten.

Es ist bisher noch nicht begründet worden, warum nicht z.B. eine Tunnellösung in Betracht gezogen werden kann. Die Stadt Celle und die Bürgerinnen und Bürger müssen sich auch vor Augen führen, wie denn die geplante Trasse sich im Tatsächlichen darstellen wird. Es ist eine über zehn Meter hohe Brückenkonstruktion im Naturschutzgebiet, welches der Naherholung dient, geplant, die direkt hinter der Altenceller Kirche langgeht mit meterhohen Schallschutzwänden. Es liegt eine jahrelange Verzögerung des Baus aufgrund schwerwiegender Planungsmängel vor mit einem immensen volkswirtschaftlichen Schaden. Ohne weitere Nachprüfung wird eine Alternativplanung einfach so abgewiegelt.

Es ist zu hinterfragen, ob die Stadt sich hier wirklich ausreichend für die Belange Ihrer Bürgerinnen und Bürger einsetzt. Diese können erwarten, dass die Stadt Celle nachhakt, hinterfragt und Alternativen ins Gespräch bringt. Die Stadt Celle hat sehr wohl Einwirkungsmöglichkeiten, zumal Millionenzahlungen zur Unterstützung des Baus der Ortsumgehung durch die Stadt Celle gerne entgegen genommen werden. Nach Jahren des Stillstands ist nun endlich eine alternative Herangehensweise an die festgefahrenen Positionen notwendig.

„Der eine wartet, dass die Zeit sich wandelt. Der andere packt sie kräftig an – und handelt“ , wusste schon Johan Wolfgang von Goethe. Und getreu dem Motto unseres Oberbürgermeisters „ Celle kann mehr“ hätte hier die Stadt Celle handeln müssen. Es waren lediglich Gespräche gefordert, die eine bessere und schnellere Lösung bewirken sollten, aber die Stadt Celle hat sich wieder einmal für die Position des Wartenden entschieden. So kann ich leider der Stadt Celle in dieser Frage zu weiteren Jahren des Stillstands gratulieren.“

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