CELLE. 70 Minuten später als verabredet legten heute der AKH Vorstand, Aufsichts- und Betriebsrat ihre Sicht der Dinge dar und stellten sich unseren Fragen. Der Redebedarf auf der vorausgegangenen Betriebsversammlung wurde offenbar unterschätzt – sie dauerte insgesamt drei Stunden, am Vormittag informierten sie entsprechend am Standort Peine. Die Belegschaften waren irritiert und empört, über die dramatische Situation ihres Arbeitgebers aus der Presse zu erfahren. Das irritierte wiederum den Aufsichtsrat – offenbar gibt es mindestens einen „Maulwurf“, der aus der vertraulichen Sitzung vom 30.8. berichtet und alle Zahlen und Fakten zu den Millionenverlusten preisgegeben hatte.

Landrat Klaus Wiswe als Aufsichtsrat erklärte: „Es gibt viele Dinge, die man ändern sollte. Dabei wird es keinen Bereich geben, der ausgenommen wird. Wir müssen überall schauen, was wir ändern und besser machen können, auf allen Ebenen von A wie Ärzte bis Z wie Zentrale Dienste. Wir dürfen aber nicht nach der Hau-Ruck-Methode verfahren, sondern müssen versuchen, die Belegschaft mitzunehmen.“

Der Aufsichtsrat erwarte, „dass die empfohlenen Schritte dann auch abgearbeitet werden. Wir glauben, dass Peine und Celle im Wettbewerb mithalten müssen“. Das AKH habe einen Vorteil zu vielen anderen: „Es gibt keine Gesellschafter, die Rendite erwarten, das Geld bleibt im Haus“, so Wiswe. Der Vorstand habe die volle Unterstützung des Aufsichtsrates.

„Wir suchen händeringend Mitarbeiter“

AKH Vorstand Dr. Martin Windmann ergänzt: „Wir müssen investieren, um konkurrenzfähig zu bleiben, aber auch gucken, für was wir das Geld ausgeben.“ Das AKH müsse trotz der beträchtlichen Schulden nicht in Aktionismus verfallen, sondern wolle Strukturen etablieren, die zukunftsfähig seien. „Wir können uns für gewisse Dinge mehr Zeit nehmen, aber es muss dabei etwas herauskommen“, so Windmann.

 Alle Teilnehmer der Konferenz, neben Windmann und Wiswe auch Christine Leckelt als Betriebsrat Klinikum Peine, Ralf Laumert, Betriebsratsvorsitzender der AKH-Gruppe und Hans-Werner Kuska, Geschäftsführer Klinikum Peine, sind sich einig, dass sich niemand leisten könne, am Personal zu sparen.

„Vor zwanzig Jahren konnte man in so einer Situation vielleicht noch Personal abbauen, aber wir suchen jetzt schon in allen Bereichen händeringend nach Mitarbeitern. Also müssen wir wirtschaftlicher werden und gleichzeitig Arbeitsbedingungen verbessern, z. B. auch Teilzeit verstärkt anbieten“, ist Wiswe überzeugt. Das AKH sei darauf angewiesen, ein attraktiver Arbeitgeber zu sein.

Die negativen Zahlen hätten alle Verantwortlichen überrascht. Beauftragt wurden die Wirtschaftsprüfer von Rödl & Partner. Diese hatten dem AKH noch im vergangenen Jahr einen Jahresabschluss von 700.000 Euro bescheinigt (CELLEHEUTE berichtete). Warum die gleichen Prüfer zu zwei völlig unterschiedlichen Zahlen kommen, konnte bisher auch der Aufsichtsrat nicht prüfen. „Es war ein Hü und Hott und am Ende ein doppeltes Hott. Ich war genau so vom Blitz geschlagen wie Sie“, versichert Wiswe.

Es sei nicht angebracht, die alleinige Schuld beim vorherigen Vorstand zu suchen – die heutige Presseerklärung des AKH lasse sich diesbezüglich missverständlich interpretieren, wenn von „zu positiven Zahlen“ berichtet wird (siehe Bericht vom Mittag). 

Auch der Aufsichtsrat müsse sich hinterfragen lassen, ob er seinen Pflichten nachgekommen sei. Aber, so Wiswe: „Der Aufsichtsrat ist auf Zuarbeit angewiesen. Wenn man die Atmosphäre kaputt machen will, hinterfragt man jede Information. Deswegen reagiert man nur dann, wenn man begründete Hinweise hat, einer Sache nachzugehen.“ Ansonsten verlasse man sich auf den Wirtschaftsprüfer. Für Wiswe sei die derzeitige Situation „Anlass genug, auch die interne Revision zu verstärken oder extern zu vergeben. Diese hätte mehr genutzt werden müssen – aber wir hatten bisher keinen Anlass gehabt, am guten Ergebnis zu zweifeln.“

Wiswe betonte abschließend, auch am Standort Peine festhalten zu wollen, es gäbe keinen Plan B. „Im Moment denken wir nicht an Verkauf und es fanden auch keine Gespräche statt“, versichert der Aufsichtsrat.

Fotos: Peter Müller

AKH Bilanz 2017: 16,5 Millionen Euro Verlust



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