CELLE. Diesen Freitag ist die erste „Fridays For Future Demo“ in Celle angesetzt, organisiert wird sie von drei Schülerinnen Celler Gymnasien: Valerie-Jo Struck und Elisa Schäfer vom Ernestinum und Paula Seidensticker, die im vergangenen Jahr ihr Abitur auf dem Hölty geschafft hat. Auf die politische Organisation, die sich für den Umweltschutz einsetzt, sind die drei durch die Proteste vom Januar in Deutschland aufmerksam geworden.

„Wir hatten vorher schon von Greta Thunberg gehört, wussten aber nicht, dass es in Deutschland eine ähnliche Bewegung gibt. Dann haben zwei von uns angefangen, eine Aktion für ihre Schule zu planen und eine von uns hat einen Instagram Account erstellt, um zu sehen, wie viele Leute man in Celle mobilisieren könnte. Über gemeinsame Bekannte haben wir dann zueinander gefunden und angefangen, eine erste Demo in Celle zu planen“, berichtet Paula.

Initiiert hat die „Fridays For Future“-Bewegung die schwedische Umweltaktivistin Greta Thunberg. Mit Streiks und Demonstrationen setzte sich Thunberg dafür ein, dass Schweden das Abkommen von Paris zum Klimaschutz befolgt. Dafür schwänzte sie freitags die Schule. Nun ist die Bewegung auch in Celle angekommen: Die Organisatoren rechnen am kommenden Freitag ab 9:45 Uhr auf der Stechbahn, Celle, 100 bis 300 Teilnehmende SchülerInnen aus dem Celler Landkreis.

„Demonstration als Exkursion zur politischen Bildung ist möglich“

Die drei Mädchen seien sich bewusst, dass sie ihrer Schulpflicht nicht nachkommen, sehen aber Lösungen, wie Schulen und Eltern die Demonstrationen unterstützen könnten, sagt Valerie: „Unsere Eltern könnten uns eine Entschuldigung schreiben. Unsere Lehrer könnten die Demonstration als Exkursion zur politischen Bildung anmelden und somit mit den SchülerInnen zusammen daran teilnehmen“. Tatsächlich würden die Meinungen der LehrerInnen weit auseinandergehen. Während einige der Ansicht seien, dass Demonstrieren nichts bewirke und es „verantwortungslos und kindisch“ sei, “Nein” zur Bildung zu sagen, seien andere der Meinung, dass die Demonstration eine gute Sache sei. Diese dürfe allerdings nicht während der Schulzeit stattfinden. Wenige unterstützten die Bewegung in Gänze. Auf Nachfrage von CELLEHEUTE an alle weiterbildenden Schulen hat sich nur Ernestinum-Direktor Johannes Habekost geäußert, siehe unten:

Das Trio sieht sich im Recht und verweist auf ein Zitat der Website von Fridays For Future (https://fridaysforfuture.de/faq/): „Nach § 2 Niedersächsisches Schulgesetz (NSchG) sollen die Schüler*innen u.a. fähig werden, die Grundrechte für sich und jeden anderen wirksam werden zu lassen, die sich daraus ergebende staatsbürgerliche Verantwortung zu verstehen und zur demokratischen Gestaltung der Gesellschaft beizutragen, ökologische Zusammenhänge zu erfassen und für die Erhaltung der Umwelt Verantwortung zu tragen. Die Schule soll Schüler*innen hierfür auch den erforderlichen Erfahrungsraum und die erforderliche Gestaltungsfreiheit bieten (§ 2 Abs. 2 NschG)“.

„Viele SchülerInnen glauben nicht, dass Demonstrieren etwas erreichen wird“

Die 17-jährige Valerie betont: „Die Demonstration wird ebenfalls innerhalb der Schülerschaft äußerst kontrovers aufgenommen. Viele SchülerInnen sind vom Grundgedanken begeistert, sind andererseits allerdings hoffnungslos und glauben nicht, dass Demonstrieren etwas erreichen wird. Einige wüssten ihrer Meinung nach zu wenig über den Klimawandel, um ‚das Recht’ zu haben, zu demonstrieren. An dem Punkt möchten wir natürlich ansetzen und weiterhin informieren und aufklären. Unsere Generation muss endlich sehen, dass wir etwas verändern können und müssen“.

Plakate würden schon fleißig hergestellt, verrät die Abiturientin: „Die Idee hinter des gemeinsamen Plakatebastelns ist, dass alle zusammenkommen, Material mitbringen und gemeinsam gestalten. Wir helfen uns gegenseitig“. Aktuell träfen sich die Gründerinnen nur zu wichtigen Anlässen, doch das solle sich demnächst ändern: „Wir wollen in Zukunft regelmäßige Treffen mit allen Interessierten veranstalten, in denen wir uns mit Aspekten des Klimawandels befassen, Ideen diskutieren und uns gegenseitig austauschen“, so die 18-jährige Paula. „Die Demos werden durchgeführt, bis wir tatsächliche Veränderung sehen. Natürlich können wir drei nicht für immer weitermachen, aber andere werden unsere Arbeit fortführen“.

Johannes Habekost, Schulleiter am Ernestinum, verweist auf einen heute veröffentlichten Elternbrief:

„Die von der schwedischen Schülerin Greta Thunberg ausgelöste Bewegung „Fridaysforfuture“, die freitags während der Schulzeit für verbesserten Klimaschutz demonstriert, hat inzwischen auch in Celle zur Gründung einer Initiative geführt, in der Schülerinnen und Schüler des Ernestinums maßgeblich mitwirken und für kommenden Freitag, 15.2.2019, um 10.00 Uhr auf der Stechbahn eine Demonstration angemeldet haben. Der Schulvorstand wurde in seiner letzten Sitzung über diese Bestrebungen informiert und die Schülervertretung hat mit meiner Kenntnis während der Schülervollversammlungen in der letzten Woche Vertretern der Initiative die Gelegenheit zur Information über ihr Anliegen eingeräumt.

Dass gerade Ernestiner Verantwortung für künftige Lebensbedingungen übernehmen und sich politisch engagieren wollen, dürfen wir durchaus als Erfolg unserer auf umfassende Menschen-Bildung, Verantwortungsfähigkeit und Mündigkeit zielenden schulischen Arbeit werten, jedenfalls solange bei der Wahl der Worte und Mittel das richtige Maß gewahrt bleibt. Allerdings muss ich – bei aller Anerkennung für die Bereitschaft zum Engagement für nachfolgende Generationen – auf folgende Fakten hinweisen:
Die Demonstration ist keine Schulveranstaltung. Wer durch die Teilnahme daran Unterricht versäumt, fehlt unentschuldigt (was zu einer Beurteilung mit „ungenügend“ führen kann, wenn gerade in dieser Zeit eine Leistungsfeststellung anstünde). Schüler der Klassen 5-10 würden das Schulgelände unerlaubt verlassen, die Schule übernimmt daher keinerlei Verantwortung und Aufsicht, es gibt keinen Versicherungsschutz durch den GUV, Erziehungsberechtigte tragen in diesem Fall die alleinige Verantwortung (auch wenn die Organisatoren ab 9.30 Uhr vom Schultor an einen Lotsendienst anbieten).“

Facebook: https://www.facebook.com/Fridays-For-Future-Celle-2219626481690297/
Instagram: www.instagram.com/fridaysforfuture.celle



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