Wirtschaftlichkeit sticht Denkmalschutz - Zukunft Celle kritisiert Abriss

Politik Von Extern | am Do., 08.04.2021 - 18:20

CELLE. Zukunft Celle sieht den Abriss von historischen Gebäuden mit großer Sorge. Die städtische Abrissgenehmigung der von Otto Haesler für die Wachswarenfabrik Schmidt umgebaute Lagerhalle von 1924 in der Speicherstraße 25 ist laut Ministerium für Wissenschaft und Kultur 'fachaufsichtlich nicht zu beanstanden' (CELLEHEUTE berichtete). Dazu heißt es in einer Pressemitteilung von Zukunft Celle:

Zur Information: Bei einem Abbruchantrag muss der Denkmalschutz nicht aufgehoben werden. Wenn er abgelehnt wird, legt der Eigentümer weiterführend Widerspruch gegen den Ablehnungsbescheid ein, und begründet dies ggf. mit einer Wirtschaftlichkeitsberechnung inklusive veranschlagten Sanierungskosten sowie Schadenskartierung. Verweist man zusätzlich auf die „Grenzen der Erhaltungsfähigkeit“ und attestiert „grundlegende Probleme hinsichtlich Standfestigkeit und -sicherheit“ kann demnach die Abbruchgenehmigung unterschrieben werden - Wirtschaftlichkeit sticht Denkmalschutz.

So kann nun der Eigentümer mit dem Abriss zeitnah fortfahren. Der Grund liegt laut Stadtverwaltung auf der Hand, denn „... Das von Otto Haesler umgebaute Lagergebäude war schon beim Vorgängerbau ohne ausreichend tragfähige Fundamente auf ebenso nicht ausreichend tragfähigem Baugrund errichtet worden. Haesler hat dieses leider nicht grundlegend verändert. Die Folge sind dauerhafte und grundlegende Probleme hinsichtlich der Standfestigkeit und -sicherheit. Erkennbar ist das anhand der starken Missbildungen und Gebäudesetzungen. Verstärkt wurden diese Probleme noch durch die nahegelegene Aller, so dass aus Sicherheitsgründen eine Nutzungsuntersagung ausgesprochen wurde. Nach Auffassung von Fachleuten wäre diese Problemlage nur durch eine komplette neue Gründung unter Abriss des Gebäudes zu beheben gewesen.“ 

Armer Otto Haesler, warum haben Sie nicht schon die „mangelhafte“ Gründung „grundlegend geändert“? Nun muss Ihr Bau leider so oder so weichen, denn das ingenieurmäßige Bauen im 21. Jahrhundert in Celle würde die „Problemlage nur….. unter  Abriss des Gebäudes“ beheben können - keine guten Aussichten für historische Bauten.

Inga Marks erinnert es sofort an die Nordwall-Halle, „Oberbürgermeister Dr. Nigge scheint in Celle eine Abrissoffensive gestartet zu haben. Schon mit der Nordwall-Halle wurde Kulturgut und Geschichte unserer Stadt vernichtet. Nicht einmal die berühmten Hetzerbögen oder das Eingangsportal wurden eingelagert. Auch die alte Grundschule in Altenhagen soll demnächst fallen. Die Begründungen sind immer wieder dieselben: Die Gebäude seien marode und abgängig.“

Zukunft Celle fordert wie die Otto Haesler Initiative, dass der Rat der Stadt Celle die Entscheidung über den Abriss des denkmalgeschützten Fabrikgebäudes von Otto Haesler sofort an sich zieht, dadurch den Erhalt des Gebäudes im Sinne einer nachhaltigen Stadtentwicklung ermöglicht sowie das kulturelle Erbe Otto Haeslers wertschätzt“, ergänzt Ute Rodenwaldt-Blank, dabei wagt sie noch einen Blick in die Zukunft: “Was passiert nach der Mustersanierung im Blumläger Feld - sticht auch hier Wirtschaftlichkeit Denkmalschutz?“
 

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