Innenminister stellt Investitionen in Feuerwehren vor

Politik Von Redaktion | am Mo., 29.08.2016 - 17:12

CELLE. Heute Vormittag veranstaltete das Niedersächische Ministerium für Inneres und Sport eine Pressekonferenz in der Niedersächsischen Akademie für Brand- und Katastrophenschutz (NABK) in Scheuen. Minister Boris Pistorius präsentierte den Jahresbericht 2015, das Perspektivprogramm 2025 und stellte die Neuerungen an den NABK-Standorten Celle und Loy vor, die mit Investitionen von knapp 80 Millionen Euro ausgerüstet werden.


Pistorius bezeichnete seinen Besuch in Scheuen als „schönen und wichtigen Termin“. Niedersachsen sei beim Brand- und Katastrophenschutz insgesamt gut aufgestellt, allerdings gebe es große Veränderungen in der Gesellschaft, die eine Optimierung fordere. Mit der Kampagne „Ja zur Feuerwehr“ und den neuen Aus- und Fortbildungsstandorten Celle-Scheuen und Loy, nördlich von Oldenburg, wolle man gerüstet sein für neue Herausforderung, wie die zunehmenden Feuerwehreinsätze und den demographischen Wandel.

Es bestehe ein steigender Bedarf an Lehrgängen der Feuerwehren, der dieses Jahr nur zu 60% gedeckt sei, schon nächstes Jahr wolle man den Bedarf zu 70% decken und 2018 zu einer vollständigen Bedarfsdeckung kommen. Alexander Götz, zuständig für Kommunal- und Hoheitsangelegenheiten, nannte dies selbst ein „ambitioniertes Ziel“. Er kündigte an, dass die Investitionen von 78,2 Millionen € zur Hälfte aus der Feuerschutzsteuer und zur Hälfte aus Landesmitteln finanziert werde.

Im ersten Bauabschnitt mit 37,8 Millionen Euro wird am Standort Celle-Scheuen ein Teil der Unterkünfte geschaffen. Das Technikzentrum wird neu gebaut, eine Lehrleitstelle unter Berücksichtigung vorhandener Bausubstanz errichtet, ein neuer Wirtschaftsbereich entsteht und es werden verschiedene Übungsobjekte hergerichtet. Für den Standort Loy ist der Neubau einer Atemschutzwerkstatt und eines Sanitärgebäudes vorgesehen.

Im zweiten Bauabschnitt mit geplanten Haushaltsmitteln des Landes von 20 Millionen Euro in 2018 und weiteren 20,4 Millionen im Haushaltsjahr 2019 wird der weitere Ausbau des Trainings- und Technikzentrums in Scheuen realisiert und die Baumaßnahmen in Loy abgeschlossen. In Celle wird es dann 60 Internatsplätze geben. Am Standort Loy sollen 80 Internatsplätze entstehen. Nach Abschluss der Baumaßnahmen hat die NABK an beiden Standorten insgesamt 300 Internatsplätze.

Jörg Schallhorn, Referatsleiter für Brand- und Katastrophenschutz, erklärte, dass 98 % der Feuerwehr in Niedersachsen zur Freiwilligen Feuerwehr gehöre. Man halte weiter an der Initiative „Ja zur Feuerwehr“ fest, die das Ehrenamt attraktiver machen solle. 2014 weitete man die Kampagne in sozialen Medien wie Facebook und Youtube weiter aus. Neue Filme mit positiven sowie nachdenklichen Botschaften sollen für den freiwilligen Dienst werben. Laut eigenen Angaben erreicht der Niedersächsische Brandschutz bei Facebook über 32 Millionen User.

Die Freiwilligen Feuerwehren in Niedersachsen zählten im vergangenen Jahr 124.612 Mitglieder und verzeichneten damit einen Rückgang von 423 Mitgliedern zum Vorjahr. Da diese Abnahme jedoch unter einem halben Prozent liege, sei der deutliche Rückgang der Mitglieder aus den letzten Jahren gestoppt, so Pistorius. Positiv sei auch, dass der Anteil weiblicher Feuerwehrangehöriger auf 11,2 % gesteigert werden konnte. In der Zukunft wolle man verstärkt versuchen, Menschen mit Migrationshintergrund für die Feuerwehr zu gewinnen.

Mit 41.085 Kindern und Jugendlichen in den niedersächsischen Kinder- und Jugendfeuerwehren wurde 2015 der höchste Mitgliederstand seit Erfassung der Daten erreicht. "Diese Entwicklung bestärkt uns in der Strategie, an dem bewährten Konzept der nachhaltigen Nachwuchsgewinnung festzuhalten und vor allem dafür zu sorgen, dass der Feuerwehrdienst attraktiv bleibt und wir mehr Nachwuchs gewinnen", erklärt der Minister.

Bei den Einsatzzahlen erhöhte sich die Anzahl der Brände um 3,4 % auf 20.490. 2015 gab es 63.426 Einsätze für technische Hilfeleistungen - eine Zunahme von 20,1%. Dieser starke Anstieg begründet sich durch die Einsätze bei der Unterstützung zur Flüchtlingsunterbringung sowie Unwettereinsätze durch die zahlreichen Starkregeneinsätze oder Stürme. Leider gab es auch in 2015 wieder 11.698 Fehlalarmierungen, eine Steigerung gegenüber dem Vorjahr von 19,7 %. Ein Großteil davon sei darauf zurückzuführen, dass Rauchmelder in Wohnungen ausgelöst hätten, ohne dass es Feuer gab. In vielen Häusern und Wohnungen wurden bereits 2015 zusätzlich Rauchmelder eingebaut, da diese ab 2016 gesetzlich verpflichtend sind.

Abschließend bedankte sich der niedersächsische Minister bei der Berufs- und Freiwilligenfeuerwehr für ihre Arbeit. „Wir müssen das System stärken, vor allem in der Fläche. Hierfür investieren wir massiv, rund 80 Mio. Euro allein in die beiden Standorte in Celle und Loy. Auf diese Weise gewährleisten wir die notwendigen Kompetenzen und Fähigkeiten und tragen zugleich zur Motivation unserer Feuerwehrfrauen und -männer bei“, so Pistorius.