Woche der Sprache: Geschichten von Flucht, Ankommen, Mut und Zuversicht

CELLE. Bisher unveröffentlichte Geschichten von Flucht, vom Verlust der Heimat und geliebter Menschen, vom schwierigen Ankommen, aber auch von Mut und Zuversicht hörten die Besucher am Samstagabend in Kunst und Bühne „Ich werde die Menschen immer lieben, auch wenn sie mich hassen“, so versprach es Suham Jalal Haji  Shani Baqi in seinem Text, den er dort präsentierte. Suham war einer von acht jungen Geflüchteten, die mit der Unterstützung von Jessy James LaFleur in einem dreitägigen Workshop zu Spoken-Word-Künstlern wurden. Am Samstag wurden die überzeugenden Ergebnisse in Kunst & Bühne präsentiert. Die 14 bis 17-jährigen Schüler der Oberschule I in Celle trugen hoch konzentriert ihre Texte in deutscher Sprache vor; der Sprache, die sie erst seit zwei oder drei Jahren lernen.

Die Zuschauer zeigten sich tief bewegt durch die verschiedenen Beiträge. Dabei ging es nicht nur um Texte, sondern auch um Gesang. Hoffnung war das Thema eines Liedes aus ihrer iranischen Heimat, mit dem „das mutige Mädchen“ Marwa das Publikum nach der Pause berührte. In der anschließenden Talkrunde mit vier Schülerinnen und Schülern kam Heiterkeit auf. Erfrischend ehrlich wurden Fragen aus dem Publikum beantwortet. Von den Deutschen wünschen sich die Jugendlichen vor allem, gleichberechtigt behandelt zu werden.

Viel Spaß machten Publikum und Darstellern gleichermaßen die selbst geschriebenen dadaistischen Gedichte aus Lauten ihrer Muttersprachen und das Gedicht Schtzngrmm von Ernst Jandl, das in theatralischer Perfektion vorgelesen wurde. Da zeigten sich wahre Bühnentalente voller Humor. Noch einmal ernst wurde es, als Jessy James LaFleur zum Abschluss ihren eigenen Text "Grenzgänger" vortrug.

Die Schülerinnen und Schüler der Klasse 8 IAaB (Integration-Bildungsabschluss-Ausbildung) sind innerhalb von drei Tagen über sich selbst hinausgewachsen. Auf der Bühne  haben sie ihr Publikum gefesselt und gezeigt, dass sie das erfahrene Leid nicht gebrochen hat: „Ich will anderen Menschen helfen, denn ich weiß wie es ist, hilflos zu sein“, bringt es Murad Selo auf den Punkt.

Den Workshop, zu dem der Landkreis Celle im Rahmen der bundesweiten Woche der Sprache und des Lesens eingeladen hatte, betrachten die Klasse und die Pädagogen der OBS I als großen Gewinn. Alle Beteiligten wünschen sich, auch weiterhin mit Jessy James LaFleur zusammenzuarbeiten. Sabine Heydecke, Sprachkoordinatorin im Team Migration der Landkreisverwaltung und Initiatorin des gemeinsamen Projektes, wird sie dabei unterstützen.