BERGEN. Nach Angaben einer 47jährigen Frau aus Wardböhmen wurden sie und ihre Mischlingshündin am vergangenen Freitag von einem Wolf verfolgt. Die Hündin sei von dem Wolf durch einen Biss am Hals verletzt worden. Zwar sei bei der Polizei der Fall angezeigt worden, von einer Verletzung sei aber nicht die Rede gewesen, bestätigt ein Polizeisprecher gegenüber CELLEHEUTE. Fotos vom mutmaßlichen Tatzeitpunkt zeigen einen Wolf aus nächster Nähe. 

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Nach Darstellung der Frau, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, habe sich der Fall so zugetragen: „Der Vorfall ereignete sich am Freitag, den 22.01.2016, gegen 10.15 Uhr auf der alten B 3 zwischen den Ortschaften Becklingen und Wardböhmen ca. 150 m vor Wardböhmen. Beim Spaziergang mit unserer angeleinten Mischlingshündin bemerkte ich auf einem Querweg einen Wolf, der in meine Richtung lief. Ich versuchte ihm aus dem Weg zu gehen, doch er verfolgte uns. Ziemlich schnell war er schon sehr nah hinter uns. Ich drehte mich um und blieb stehen, der Wolf aber nicht. Als er schon bedrohlich nah war, ca. fünf Meter oder noch weniger, leinte ich meinen Hündin ab.“ Die Hündin habe dann Angst bekommen und sei, um sich zu verteidigen, auf den Wolf losgegangen. Dieser habe die Hündin gepackt und in den Hals gebissen. Die Spaziergängerin habe laut geschrien und damit den Wolf verscheucht und brachte ihre Hündin danach zum Tierarzt, der die mutmaßliche Bisswunde versorgt habe.

Auf Nachfrage von CELLEHEUTE konnte sie zwar kein Foto von den Verletzungen des Hundes nachreichen, aber zwei Aufnahmen vom Wolf. „Ich habe ihn so laut ich konnte angeschrien und tatsächlich ließ er ab, so konnte ich ihn letztendlich nach einiger Zeit verscheuchen. Zwischen Schreien und Zurückhalten meines Hundes habe ich sogar noch Fotos von dem Wolf gemacht.“ Die Wardböhmerin benennt auch Zeugen. Johann-Heinrich Weide ist einer von ihnen. Er kann aber lediglich bestätigen, den Wolf kurz vor dem Vorfall an seinem Grundstück entlanglaufen gesehen zu haben. Er habe beobachtet, wie der mutmaßliche Wolf vor einem Hühnerstall stehengeblieben, dann aber seines Weges gezogen sei. Weide ist trotzdem sehr besorgt um seine Milchkühe, die seiner Meinung nach ebenfalls Opfer einer Wolfsattacke werden könnten, wenn sich die Wölfe so dicht an oder gar in die Ortschaften hineintrauten. Bereits zwei Wochen zuvor sei ein Wolf in der Ortschaft Becklingen gesichtet worden, weiß Weide zu berichten.

Die Polizei hingegen kann den Vorfall so nicht bestätigen. Ihr sei weder mitgeteilt worden, dass der Hund verletzt sei noch dass es Zeugen gäbe.

Jungwölfe haben keine schlechten Erfahrungen mit Menschen

Wolfsberater Volkhard Pohlmann ist nach Sichtung der Fotos überzeugt, dass es sich „auf jeden Fall um einen Wolf“ handelt. Grundsätzlich seien Wölfe scheue Tiere, aber gerade in der Ranzzeit seien Jungwölfe besonders aktiv und würden auf Wanderschaft gehen. Da diese Wölfe noch keine schlechten Erfahrungen mit den Menschen gemacht hätten, sähen sie keine Gefahr darin, sich ihnen zu nähern. Sie seien sehr intelligente Tiere und probierten aus, wie weit sie gehen könnten.

Pohlmann hält es für angebracht, auffällige Tiere zu bejagen und auch die Anzahl der Wölfe in Deutschland zu reduzieren. Allein im Kreis Celle und in den Randbereichen gäbe es mindestens fünf Rudel mit jeweils ca. acht Wölfen. „Die Tiere müssen lernen, dass der Mensch gefährlich ist – nur dann würden sie sich nicht zu nah an die Wohngebiete herantrauen“, so Pohlmann.

Text: Angela Siems

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