BERGEN. In den vergangenen Jahren hatte er vor allem mit den ganz harten Delikten zu tun: Als Leiter des Fachkommissariats (FK) 1 der Polizeiinspektion Celle, hat Guido Bergmann die Ermittlungen in mehreren Mordfällen, darunter auch im „Altfall Frederike von Möhlmann“ vorangetrieben. Seit Juli leitet der Kriminalhauptkommissar nun das Polizeikommissariat Bergen mit seinen Polizeistationen Hermannsburg, Unterlüß, Faßberg, Winsen/Aller, Wietze und Hambühren.

„Man ist im FK 1 nicht so gern gesehen“, meint Guido Bergmann. Denn meist erscheine man dann in der Öffentlichkeit, wenn etwas Schlimmes passiert sei: Mord, Sexualstraftaten, Branddelikte zum Beispiel. Da habe eine Landdienststelle einen ganz anderen Charme. „Man ist gern gesehen, hat positive Kontakte zu Bürgern, ins Rathaus oder auch zur Bundeswehr“, findet er. Sein oberstes Ziel: „Die Mitarbeiter und Organisation so aufstellen, dass wir den Sicherheitsbedürfnissen der Bürger Genüge tun.“ Strukturelle Herausforderungen wolle man „bestmöglich schultern“.

Dazu zählt der gebürtige Stader, der in Berlin seine polizeiliche Ausbildung absolviert hat und später unter anderem bei den Polizeidirektionen Hannover und Lüneburg tätig war, zum Beispiel die Entwicklung in der Niedersachsen-Kaserne Bergen-Hohne. „Zuzug von Soldaten bringt vermehrtes Nachtleben und mehr Auseinandersetzungen mit sich“, so seine Erfahrung. Auch andere Entwicklungen hat er im Auge: „Wir erleben derzeit, dass sich ein Augenmerk auf Rheinmetall legt und gegen Waffenexporte demonstriert wird.“ Die „Problemzonen“ Bergen, wie zum Beispiel die Berliner Straße, hält er für handhabbar. „Das ist kein No-Go-Area. Es ist nicht so, dass da permanent Randale ist“.

Fest steht für den 50-Jährigen trotz seines auf den ersten Blick etwas weniger aufreibenden, neuen Postens: „Nur weil man hier im ruhigen Bergen ist, sind wir nicht von der Weltgeschichte ausgespart.“ Wenn in Hannover beispielsweise ein Anti-Terror-Einsatz durchgeführt werden müsse, sei Bergen über die B3 mit eingebunden.

Dass Guido Bergmann die ihm übertragenen Verantwortungsbereiche bestens managen wird, davon ist der Leiter der Polizeiinspektion Celle Eckart Pfeiffer überzeugt. „Herr Bergmann ist meine Wunschbesetzung. Er bringt ein herausragendes Urteilsvermögen, große Sozialkompetenz und Kommunikationsfähigkeit mit“, sagt der Polizeidirektor. Immerhin konnte der neue Leiter des Polizeikommissariates Bergen diese Eigenschaften auch schon acht Jahre lang als Leiter der Verhandlungsgruppe zur Bewältigung von Geiselnahme-, Entführungs- und herausragenden Erpressungslagen unter Beweis stellen und trainieren. Zwischen 1995 und 2003 unterstanden ihm die Verhandlungen bei der Geiselnahme in der JVA Celle und in Salinenmoor, aber auch außerhalb des Landkreises bei zwei schlagzeilenträchtigen Entführungsfällen im Ausland, in einem Fall in Malaysia, im anderen in Kolumbien. Diese Tätigkeit sei nicht nur anspruchsvoll gewesen, sondern habe auch unter großem internen und öffentlichen Druck stattgefunden, erinnert sich Bergmann. Abreagieren kann sich der verheiratete Vater zweier erwachsenen Kinder in der Freizeit am besten beim Holzeinschlag oder beim Roadster fahren.

Dass er nun in Bergen nochmals ein ganz anders Tätigkeitsfeld ausfüllen wird, das ihn in der polizeilichen Hierarchie ein weiteres Stück nach oben bringt, sieht er als typisch für seinen Werdegang: „Dienstliche Veränderungen haben mein Leben geprägt“. Dabei will er sich selbst auch als Kommissariatsleiter treu bleiben. „Öffne der Veränderung deine Arme, aber verliere deine Werte nicht aus den Augen“, mit diesem Leitsatz des Dalai Lama kann sich der Hambührener gut identifizieren.

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