CELLE. Auf Einladung des Landesverbands Nord und der Standortkameradschaft Celle im Deutschen BundeswehrVerband waren gestern rund hundert interessierte Soldatinnen und Soldaten sowie Ehemalige zum „Standorttag 2017“ in die Immelmann-Kaserne in Wietzenbruch gekommen. Der Vorsitzende der Standortkameradschaft Celle, Oberstleutnant Heiko Tadge, hatte im Vorfeld der Bundestagswahl eine Podiumsdiskussion mit den lokalen Kandidaten, Henning Otte, MdB, CDU, Kirsten Lühmann, MdB, SPD, Anja Schulz, FDP, und Heiko Wundram vom Bündnis 90/Die Grünen zu sicherheitspolitischen Themen organsiert. Der Vorsitzende des Deutschen BundeswehrVerbandes, Oberstleutnant André Wüstner, komplettierte die hochkarätige Runde auf dem Podium.

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Nachdem Hans-Joachim Wojtyczka für 50 Jahre und Hauptmann Alexis Achilles für 25 Jahre Mitgliedschaft im Deutschen BundeswehrVerband geehrt worden waren, befragte Tadge die Teilnehmer der Podiumsdiskussion zu verschiedenen Themen unter dem Motto: „Die Bundeswehr heute und morgen“ – innere und äußere Sicherheit. Unter anderem ging es um die in der Öffentlichkeit viel diskutierte Vertrauenskrise in der Bundeswehr. „Die innere Lage der Bundeswehr ist nicht gut“, erklärte Wüstner. Dies hänge unter anderem mit den vielen Veränderungen der vergangenen Jahren zusammen, wie z. B. der Aussetzung der Wehrpflicht, Sparauflagen oder auch sehr vielen Umzügen, die den Soldatinnen und Soldaten zugemutet worden seien. Die Kommunikation seitens der Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen, CDU, habe ihr Übriges dazu getan, sei aber nicht der einzige Grund gewesen.

Lühmann schloss sich den Ausführungen Wüstners an, dass es zu viele Veränderungen in zu kurzer Zeit gegeben habe. Auch Wundram sah das ähnlich. „Wir brauchen eine Bundeswehr, auf die wir uns verlassen können, die sich aber auch auf die Politik verlassen können muss“, so der Kandidat von Bündnis 90/Die Grünen. Schulz erklärte, dass sie es für unabdingbar halte, eine leistungsfähige Bundeswehr zu haben. Die Kommunikation zwischen Politik und Bundeswehr müsse noch verbessert werden. Otte, der verteidigungspolitische Sprecher der CDU Bundestagsfraktion, meinte: „Die sicherheitspolitische Situation hat sich in den letzten Jahren sehr verändert.“ Die Vertrauenskrise in der Bundeswehr sei auch durch ein Interview der Verteidigungsministerin ausgelöst worden. Hierfür habe sich von der Leyen im Nachhinein mehrfach entschuldigt, was man anerkennen müsse. Auch sei die mediale „Begleitmusik“ hier nicht immer optimal gewesen, so Otte.

Zur Struktur der Bundeswehr heute und morgen erläuterte Wüstner, dass man sich fragen müsse, wo man international hin wolle und was man bereit sei, dafür zu zahlen. Zudem sei es elementar, das benötigte Material, das einem auf dem Papier zugesagt sei, auch zu bekommen. „Wir sorgen für mehr Personal in der Bundeswehr und investieren in Ausrüstungen. Die Trendwende ist in der Umsetzung“, versprach der CDU-Politiker. Aufgrund der komplexen Situation dauere es lange, bis alle jetzigen Planungen umgesetzt seien. Auf jeden Fall brauche man mehr Geld für die Verteidigung. Die als Ziel der Nato gesetzten zwei Prozent des Bruttoinlandsproduktes seien Bündnisverpflichtung und aus seiner Sicht auf jeden Fall notwendig.

„Es ist klar, dass man für eine sachgerechte Ausstattung der Bundeswehr mehr Geld braucht“, fand auch Lühmann. Sie distanzierte sich jedoch von den geforderten zwei Prozent. „Wir wollen erstmal schauen, was benötigt wird und dann aufstocken“, so die verkehrspolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion. Auch Wundram war der Meinung, dass für Soldatinnen und Soldaten, die ihr Leben einsetzen, genügend Geld vorhanden sein müsse. Eine vernünftige Ausrüstung sei ebenso wie eine gute Ausbildung vonnöten. Eines allerdings würden die Grünen nicht mittragen: „Kampfdrohnen scheiden für Grüne grundsätzlich aus“, erklärte Wundram und löste hiermit Unverständnis bei vielen Zuhörern aus, wie insbesondere in der nachfolgenden Diskussion über den Sicherheitsaspekt der Kampfdrohnen für die Soldaten im Einsatz deutlich wurde.

Neben den Soldaten sprach sich auch Otte für den Einsatz von Kampfdrohnen aus: „Wir brauchen die Kampfdrohne – sie ist die Lebensversicherung für unsere Soldaten und Soldatinnen im Einsatz“, ist der verteidigungspolitische Sprecher überzeugt. Einig waren sich alle Politiker, dass man schneller in der Beschaffung von notwendigem Material werden müsse. Vor der sich anschließenden Runde, in der die Gäste Fragen an die Podiumsteilnehmer stellen konnten, stelle Moderator Tadge fest, dass in vielen Punkten bei den Politikern Einigkeit geherrscht habe. Teilweise sei es nur um Nuancen gegangen, größere Unterschiede habe es bei der Höhe des Verteidigungsetats und beim Einsatz von Kampfdrohnen gegeben. Zum Abschluss der Veranstaltung hatten die Gäste noch die Möglichkeit, mit den Politikern im Rahmen der „B-Zeit“ persönlich bei Bier, Brause und Bratwurst ins Gespräch zu kommen.

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