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Fachkräfte mit dualer Berufsausbildung mehr denn je gefragt

Zufriedene Handwerkerschaft beim Amtsträgerabend 2017

08.11.2017 - 11:22 Uhr     siems    0
Fotos: Peter Müller

CELLE. Seit mehr als 25 Jahren lädt die Kreishandwerkerschaft Vorstände und Ehrenamtsträger der Celler Innungen sowie Gäste aus Politik und Verwaltung zum alljährlichen Amtsträgerabend ein, um über allgemeine handwerkliche Angelegenheiten zu informieren und sich gegenseitig kennenzulernen. Knapp 80 Teilnehmer konnte Kreishandwerksmeister Ernst-Heinrich Ahrens gestern Abend im Hotel Celler Tor zur diesjährigen Veranstaltung begrüßen. Als Gastreferent war Oberbürgermeister Dr. Jörg Nigge zum Thema „Chancen und Risiken der Stadt Celle bei ihrer weiteren Entwicklung“ eingeladen worden.

„Die gute wirtschaftliche Entwicklung im regionalen Handwerk hält an“, zeigte sich Ahrens erfreut. Laut aktueller Herbstkonjunkturumfrage der Handwerkskammer Braunschweig-Lüneburg-Stade erreiche der Geschäftsklimaindex im dritten Quartal 2017 erneut den Spitzenwert von 78 Punkten aus dem Vorjahr. 94 Prozent der befragten Handwerksbetriebe seien mit ihrer Geschäftslage zufrieden.

Als Hindernis für ein noch stärkeres Wachstum erweise sich der Arbeitsmarkt – der Anteil der Betriebe mit offenen Stellen sei von 37 Prozent in 2016 auf aktuell 46 Prozent angestiegen. „Fachkräfte mit dualer Berufsausbildung sind mehr denn je gefragt“, so der Kreishandwerksmeister. Mit der seit acht Jahren laufenden Imagekampagne im Handwerk habe man bereits einiges dafür getan, die Wahrnehmung des Handwerks in der Öffentlichkeit und besonders bei den Jugendlichen zu verbessern. Ahrens appellierte an die Anwesenden, die Imagekampagne zu unterstützen und durch eigene Aktionen Flagge zu zeigen.

Wie auch im Vorjahr ging der Kreishandwerksmeister auf das Thema „Dieselfahrverbote“ ein, das in den vergangenen Monaten breiten Raum in der öffentlichen Diskussion eingenommen hatte. „Wir sind der Auffassung, dass es auf keinen Fall zu Dieselfahrverboten kommen darf“, erklärte Ahrens. Der Fahrzeugbestand im Handwerk bestehe zu 80 Prozent aus Dieselfahrzeugen. Die Betriebe seien zwingend darauf angewiesen, mit ihren Fahrzeugen die Innenstädte zu erreichen.

Positiv für die Zukunft des Handwerks bewertete Ahrens die Einführung der Niedersächsischen Meisterprämie für Meisterinnen und Meister, die seit dem 1. September 2017 ihre Prüfung erfolgreich abgelegt haben. „Das ist auch vor dem Hintergrund der Entwicklung der Meisterprüfungszahlen mehr als notwendig“, so Ahrens. Diese seien seit einigen Jahren deutlich zurückgegangen, was dazu führe, dass gut ausgebildete Fachkräfte fehlen. Zum Abschluss ehrte der Kreishandwerksmeister den 2. Landessieger und Kammersieger im Ausbildungsberuf Friseur, Tjark Janßen aus Celle (Ausbildungsbetrieb Werner John).

Der Oberbürgermeister ging in seinem Vortrag zur Entwicklung Celles zunächst auf den Haushalt der Stadt ein. Der Haushalt sei das Thema für jede Interaktion. „Wir haben den fünfthöchsten Schuldenstand in Niedersachsen – das ist das, was uns einengt“, erklärte Nigge. Den Haushalt zu konsolidieren, sei ein wesentlicher Teil seiner Arbeit. Große Einsparpotentiale sehe er darin, wieder Aufgaben an den Landkreis zurück zu übertragen, die originär vom diesem übernommen werden müssten. Geld in die leeren Kassen der Stadt könnten zudem die Ansiedlung von Familien und Wirtschaftsunternehmen sowie auch der Tourismus spülen.

„Wenn wir Unternehmen und Familien herbekommen wollen, müssen wir eine attraktive Innenstadt haben. Wir müssen die Altstadt wieder beleben und die Wohnungen dort bewohnbar machen“, so der OB. Dazu sei es auch nötig, in der Frage des Denkmalschutzes flexibler zu agieren. Seit seinem Amtsantritt habe er die Wirtschaftsförderung der Stadt aufgestockt. Drei Mitarbeiter aus diesem Bereich seien sehr aktiv dabei, auf Eigentümer und Investoren zuzugehen – das trage Früchte: „14 Leerstände sind beseitigt, das ist aber erst ein Anfang“, betonte Nigge.

Von dem Wechsel in der Geschäftsführung der Celle Tourismus und Marketing GmbH verspreche er sich neue Impulse für den stagnierenden Tourismus in der Stadt. „Wir haben viele Attraktionen, aber niemand kennt sie“, meinte der Oberbürgermeister. Das solle sich jetzt ändern. Mit neuen Strukturen arbeite Nigge daran, die Stadt nicht nur für Besucher, sondern auch für ihre Anwohner attraktiver zu machen. Als Beispiel nannte er den bis vor kurzem noch sehr langwierigen Prozess, bei der Stadt eine Baugenehmigung zu erhalten. „Bei normalen Baugenehmigungen sollte es von Seiten der Verwaltung nun klappen, diese innerhalb von sechs Wochen zu erteilen“, sagte der OB. Im Anschluss an die Vorträge hatten die Gäste noch die Möglichkeit sich sowohl mit dem Oberbürgermeister als auch untereinander auszutauschen.

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