Im Namen der Betriebsräte von ExxonMobil Production beschäftigt sich Kai Kuhlmann (Gesamtbetriebsratsvorsitzender der ExxonMobil Production Deutschland GmbH) in einem Gastbeitrag mit dem Thema „Gesetzgebung zum Fracking“. Er sieht dieses als ein sehr wichtiges Thema für seine Branche an und möchte die aktuelle Lage für den Landkreis und die Menschen der Region ansprechen. Wir geben seine Äußerungen hier ungekürzt und unkommentiert wieder:

Kai Kuhlmann„Die Erdgas- und Erdölförderung hat in und um Celle eine lange Tradition. In 2009 haben wir hier noch das 150jährige Jubiläum der wahrscheinlich weltweit ersten Ölbohrung gefeiert, und alle waren sich einig, dass die heimische Produktion eine wichtige Stütze für die Versorgungssicherheit ist. Und jetzt, ein paar Jahre später? Jetzt stehen tausende Arbeitsplätze auf dem Spiel. Man hört aus dem eigenen Bekanntenkreis, dass Freunde schon seit Monaten auf Kurzarbeit sind oder sogar schon ihre Jobs verloren haben. Man liest in der Zeitung von Massenentlassungen.

Heute wird eine Industrie an den Pranger gestellt, die viele Jahrzehnte in vielerlei Hinsicht Vorreiter war, deren Arbeitssicherheit ihresgleichen sucht und deren Knowhow weltweite Beachtung findet. Ehemals in ihrer Nachbarschaft hoch angesehene Kollegen werden heute auch im Privatleben massiv angegangen. Wegen einer Debatte um die heimische Erdgas- und Erdölförderung, die längst aus den Fugen geraten ist. Verheerend für eine Branche und verheerend für Celle, denn allein hier hängt jeder 3. Arbeitsplatz an der Bohr- oder Erdgas- und Erdölindustrie.

Dabei geht es nicht darum, dass man nach dem jahrelangen politischen Hickhack für wenige Jahre die Förderung aus den so genannten konventionellen Lagerstätten fortsetzt. Um ehrlich zu sein: Konventionell würde den „Tod“ der Branche nur verlängern aber nicht verhindern. Die Vorkommen reichen nur noch wenige Jahre, Erdgas aber wird auch in Deutschland weit länger benötigt werden. Die Chance für Niedersachsen und die Branche liegt im Schiefergestein. Hier schlummern große Potenziale, die es sich lohnt zu erkunden. Wir haben einen Schatz zu unseren eigenen Füßen, nach dem andere Länder sich die Finger lecken würden, doch hierzulande scheint es fast unbequem zu sein, eigene Rohstoffe zu haben.

Studie um Studie wurde erstellt – keine, egal wer sie in Auftrag gegeben hat, sieht einen Anlass für ein Verbot der Fracking-Technologie, die für die Erschließung von Schiefergas nötig ist. Trotzdem wird keine Anstrengung ausgelassen, die Bemühungen um das heimische Schiefergas schon im Keim zu ersticken. Und das, obwohl die niedersächsische Industrie soviel Erfahrung gerade auch mit Fracking und Schiefergas sogar ganz entscheidende Vorteile hat.

Das Thema Lagerstättenwasser, das die Diskussion der letzten Jahre entscheidend geprägt hat, spielt gerade bei Schiefergas keine Rolle. Der Flächenverbrauch ist bei Schiefergas nicht höher als bei der Erdgasförderung, die wir seit Jahrzehnten betreiben. Und auch bei der Flüssigkeit, die für das Fracking nötig ist, kann Schiefergas punkten: Die Industrie hat Flüssigkeiten entwickelt, die zu 99,8 Prozent aus Wasser bestehen und nur zwei Komponenten enthalten, die beide weder giftig noch umweltgefährlich sind und sich beide leicht biologisch abbauen. Wird diese technologische Weiterentwicklung honoriert? Man wird es sehen. Sicher ist: Wer Schiefergas nicht will, muss sich klar sein, dass das in Kürze das Ende der heimischen Erdgasförderung und auch der Celler Service Industrie bedeutet. Nicht in dieser Legislaturperiode, aber vielleicht schon in der nächsten.

Wir Betriebsräte arbeiten unternehmensübergreifend zusammen und sind in unterschiedlichsten Bereichen unterwegs, um auf die Arbeitsmarktlage aufmerksam zu machen und über sachliche Information und Diskussion das unbegründete Misstrauen auszuräumen. Auch mit der Celler Politik wurde die Problematik der wirtschaftlich darstellbaren Förderung in Niedersachsen diskutiert. Hier wurde seitens der Arbeitnehmervertreter explizit deutlich gemacht, dass es einen Erhalt der Arbeitsplätze in und um Celle, nur durch ein Gesetz welches auch die Erkundung unkonventioneller Lagerstätten mit wissenschaftlich begleiteten Probebohrungen ermöglicht, geben wird!

Leider scheint diese Tatsache etwas aus dem Fokus gerutscht zu sein. Ein politisches „Spiel auf Zeit“ hat schon jetzt zu Massenentlassungen geführt und dies wird sich fortsetzen, wenn sich die Politik nicht schnellstmöglich ihrer Verantwortung bewusst wird und ein entsprechendes Gesetz auf den Weg bringt!“

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